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Slither – Voll auf den Schleim gegangen

 

 

George Romero sagte einmal in einem Interview, Splatterfilme seien wie Achterbahnen: während sie einigen Leuten einfach verdammt viel Spaß machen, finden sie andere, buchstäblich, zum Kotzen.

 

Mehr noch als auf Romeros düsteren Kulturpessimismus trifft das wohl auf das Genre des Fun-Splatter zu, welches es sich nicht mehr hauptsächlich zum Ziel macht, zu gruseln oder zu schockieren, sondern, der Name sagt es, in erster Linie Spaß machen soll. Spaß am Ekel und an der sadistischen Triebbefriedigung. Mit Slither ist dieser Tage ein Prachtexemplar dieser Gattung im Kino zu sehen.

 

Wheelsy ist ein ödes, ärmliches Kaff, irgendwo in den USA. Der triste Alltag verändert sich schlagartig, als die sexy Biologielehrerin Starla Grant (Elizabeth Banks) eines Nachts ihrem Ehemann Grant Grant (Michael Rooker), dem reichsten Knacker des Ortes, den Beischlaf verwehrt. Frustriert zieht dieser los in seine Stammkneipe, aus der er von Brenda, einer ehemaligen Verehrerin, prompt in den anliegenden Wald gezerrt wird. Seine Starla betrügen möchte er aber dann doch nicht. Zu dumm nur, dass kürzlich eine außerirdische Lebensform in diesen Wald gestürzt ist, deren Parasit Grant befällt. In den folgenden Tagen beginnt er sich in ein tintenfischartiges Monstrum zu verwandeln, dessen Heißhunger nach Tierfleisch der örtliche Supermarkt bald nicht mehr stillen kann. Die Polizei, in Begleitung Brendas und unter Anleitung des frisch ernannten Chiefs Bill (Nathan Fillon), der hoffnungslos in Brenda verknallt ist, entschließt sich dem Grantmonster auf einer Farm aufzulauern. Dabei greift der Parasit auf einen Großteil der Truppe über, die sich nun in zombieartige Wesen verwandeln, die von Grant mental kontrolliert und geführt werden.    

 

Schier unerschöpflich ist die Anzahl von Zitaten, Querverweisen und Anspielungen, die Regisseur und Drehbuchautor James Gunn durch den Fleischwolf dreht und zu einer Sci-Fi-Horror-Splatter-Komödie verwurstet. Jeder Rezensent entdeckt andere Referenzen und alle haben sie Recht. Ob Cronenberg oder Alien, ob Romero oder The Evil Dead, ob Blade oder Starship Troopers. Von Allem findet sich etwas. Munter flottieren die Zeichen durch Schleim und Blut und munter bluten und schleimen sich die munter mutierenden Bewohner von Wheelsy von einem obskuren Höhepunkt zum nächsten – und das mit einem ausgelassenen, detailversessenen Sinn für den schlechten Geschmack und einer kalkulierten Maßlosigkeit, wie man sie im westlichen Genrekino seit Braindead selten gesehen hat. Anders als etwa Shaun of the Dead ist Slither dabei von allem ideologischen oder gesellschaftskritischen Ballast befreit. Dass der Film im stereotypen White-Trash-Millieu angesiedelt ist, soll so wenig auf soziale Realitäten verweisen, wie die Tatsache, dass das schleimige Schicksal den Protagonisten gerade bei einem Beinaheseitensprung ereilt, etwas anderes wäre, als eine Reminiszenz an Genrekonventionen. Auch die beiläufige Erwähnung von Darwins Evolutionstheorie und dem biblischen Schöpfungsbericht sind reine Zitierlust. Sonst nichts. Michael Rooker, der in seinem Debüt Henry – Portrait of a Serial Killer (1986) ebenso überzeugend ein Monster der ganz anderen Art darstellte, spielt Grant schon vor der Verwandlung richtig schön schleimig.

 

Und, was fängt man nun an mit dem Ganzen? Man könnte beginnen die Zitate zu zählen und zu katalogisieren oder eine Metapher auf die Ausbreitung der Fast Food-Industrie erkennen wollen, wie es Manfred Riepe in „epd film“ vorschlug. Ich für meinen Teil wäre in diesem Fall eher dafür, das alles bloß nicht zu ernst zu nehmen, sondern einfach seinen Spaß dran zu haben. Aber damit ist es halt so eine Sache. Wie mit den Achterbahnen.

 

Nicolai Bühnemann

 

Slither- voll auf den Schleim gegangen

Slither

Kanada/USA 2006

Buch und Regie: James Gunn; Musik: Tyler Bates; Darsteller: Nathan Fillon (Bill), Elizabeth Banks (Starla Grant), Michael Rooker (Grant Grant), Brenda James (Brenda), u. A.

Verleiher: UIP; Länge: 95 Min.; FSK: 16

Starttermin: 22.06.2006

 

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