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Sie küssten und sie schlugen ihn

Der 13jährige Antoine Doinel lebt mit seinen Eltern in Paris. In der Schule hat er ständig Ärger mit den Lehrern. Von seinem Freund René lässt er sich zum Schwänzen des Unterrichts überreden. Die beiden verbringen den Tag im Kino und auf dem Rummelplatz. Mit der Notlüge, seine Mutter sei gestorben, will er die fehlende Entschuldigung ersetzen. Doch die Wahrheit kommt ans Licht, und Antoine treibt sich die Nacht in der Stadt herum. Am nächsten Tag holen ihn die Eltern von der Schule ab und wollen einen Neuanfang wagen. Vom Lehrer beschuldigt, seinen Aufsatz bei Balzac abgeschrieben zu haben, schlüpft er bei René unter und hält sich mit Diebstählen über Wasser. Als er dabei erwischt wird, lehnen die Eltern jede Verantwortung ab und drängen auf eine Einweisung in die Erziehungsanstalt. Doch bald flieht Antoine und schlägt sich bis zum Meer durch, das er nie zuvor gesehen hat.

 

François Truffauts sensationelles Regiedebüt gewann 1959 den Regie-Preis beim Filmfestival in Cannes und bedeutete den endgültigen Durchbruch für die Filmemacher der "Nouvelle Vague". Die Geschichte und das Schicksal seines Helden, der lernen muss, im Leben alleine zurechtzukommen, verfolgte der Regisseur in vier späteren Filmen weiter. Jean-Pierre Léaud, Truffauts "alter ego", spielte ihn mit seltener Ausdruckskraft und der kraftvollen Phantasie eines Debütanten, der bei aller Tragik eine gewisse Poesie und Hoffnung nicht verschweigt. "Einer der schönsten Filme, die ich je gesehen habe", urteilte Akira Kurosawa über dieses Werk voller Liebe und Zärtlichkeit. "Ein stilistisch und inszenatorisch wundervoller Film, der die zutiefst humane Geisteshaltung seines Schöpfers spiegelt." (Lexikon des internationalen Films) Als der Film 1959 in die Kinos kam, fehlten sieben Szenen mit einer Gesamtlänge von sieben Minuten, die Truffaut auf Wunsch des Produzenten geschnitten und erst 1967 wieder in das Werk eingefügt hat. 3sat zeigte den vollständigen Film, die Dialoge der eingefügten Originalpassagen wurden untertitelt.

 

"Sie küssten und sie schlugen ihn" war 1959 die Sensation auf den Filmfestspielen von Cannes. Das Regiedebüt des französischen Filmkritikers und Mitherausgebers der Filmzeitschrift "Cahiers du Cinéma", François Truffaut, gewann gerade auf dem Festival, das ihn im Vorjahr wegen seiner negativen Berichterstattung nicht mehr akkreditieren wollte, den heißbegehrten Regiepreis. Mit seinem poetischen, autobiographisch gefärbten Portrait eines Jugendlichen, der mit seiner Umwelt nicht zurechtkommt, beeinflußte Truffaut eine ganze Generation französischer Regisseure und begründete den Ruhm der französischen "nouvelle vague". Truffaut ist übrigens in einer kleinen Nebenrolle als Rummelplatz-Mann zu sehen, ebenso wie Jeanne Moreau als Dame mit Hund. "Sie küssten und sie schlugen ihn" blieb nicht der einzige Film um Antoine Doinel, denn in den nächsten 20 Jahren drehte der Regisseur vier weitere Filme um den unverstandenen Außenseiter, jeweils mit Jean-Pierre Léaud in der Hauptrolle.

 

Guido Walter

 

Diese Kritik ist zuerst erschienen in:  Guidos Homepage

Zu diesem Film gibtís im archiv der filmzentrale mehrere Texte

 

Sie küssten und sie schlugen ihn

Les quatre cents coups

97 Min.

Regie: Francois Truffaut

Drehbuch: Francois Truffaut und Marcel Moussy

Musik: Jean Constantin

Kamera: Henri Decaë

Frankreich, 1958

 

Rolle:

 Darsteller:

Antoine Doinel

 Jean-Pierre Léaud

Gilberte Doinel

 Claire Maurier

Julien Doinel

 Albert Rémy

Klassenlehrer

 Guy Decomble

René Bigey

 Patrick Auffay

Schuldirektor

 Robert Beauvais

Monsieur Bigey

 Georges Flamant

Madame Bigey

 Yvonne Claudie

 

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