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Die Rückkehr der Jedi-Ritter

Nach dem riesigen Erfolg von »Krieg der Sterne« (1977) wagte es der damals zweiunddreißigjährige George Lucas, das gigantische Ausmaß seines »Star Wars«-Konzeptes bekanntzugeben: Die Saga solle insgesamt drei Trilogien, also neun Filme, umfassen, und »Krieg der Sterne« sei der erste Film der mittleren Trilogie, also Episode IV; alle drei Jahre werde ein weiterer Film abgedreht sein und in die Kinos kommen, der letzte also im Jahre 2001. Ein Drittel des Traums hat sich Lucas nun erfüllt: Nach »Das Imperium schlägt zurück« (1980) ist auch Episode VI, »Die Rückkehr der Jedi-Ritter«, termingerecht angelaufen und die mittlere »Star Wars«Trilogie damit komplett. Und Lucas findet ein solches Wohlgefallen an dem von ihm geschaffenen galaktischen Universum, daß er inzwischen einräumt, auf die noch ausstehenden Teile der Mammut-Saga könne man eventuell sogar verzichten.

 

»Die Rückkehr der Jedi-Ritter« ist seinen beiden Vorgängern überlegen, weil er unter den drei Filmen derjenige mit der klarsten und zugleich raffiniertesten Drehbuch-Konstruktion ist. Grob betrachtet zerfällt der Film in zwei Blöcke: Im ersten wird von der Befreiung Han Solos aus der Gewalt von Jabba the Hutt erzählt, und im zweiten geht es um die Zerstörung des neuen, noch im Bau befindlichen ĄTodessterns" des Imperiums durch die Rebellen.

 

Die Episode in der Festung Jabbas läuft geradlinig ab, und die Spannung wird bis zum großen Endkampf in der Wüste in nahezu schwindelerregendem Tempo gesteigert, äußerlich verdeutlicht durch die drei sich gegenseitig an Scheußlichkeit, Gefräßigkeit und Größe übertreffenden Ungeheuer: Hat man den Anblick des krötenhaften Jabba-Monstrums gerade verdaut, da fällt man, mit Luke Skywalker, schon dem unbeschreiblichen Grubenwesen vor die Krallenfüße, und das Ding in der Wüste besteht folgerichtig nur noch aus einem nimmersatten, mehr an einen After denn an einen Schlund erinnernden Loch, dem man unmöglich den Garaus machen, sondern allenfalls entgehen kann. Der Kampf um den Todesstern, der die zweite Hälfte des Films ausmacht, spielt sich dagegen an drei Fronten gleichzeitig ab: im All, auf dem Todesstern und auf dem Waldplaneten Endor. Die Handlung springt wie bei Bundesliga-Übertragungen im Samstagnachmittag-Radioprogramm laufend von einem Schauplatz zum anderen, nur daß im Unterschied zu den Sportsendungen nicht in den ruhigen Momenten des Spiels umgeschaltet wird, sondern in den dramatischen: Cliffhanger-Freunde kommen voll auf ihre Kosten.

 

Beschränkte sich »Krieg der Sterne« für meinen Geschmack viel zu sehr auf die von Luftschlachten in klassischen Kriegsfilmen abgeguckten und letztlich ermüdenden Kämpfe im All, machte sich schon in »Das Imperium schlägt zurück« ein thematischer Aspekt bemerkbar, der dem rein kriegerischen Konflikt zwischen Imperium auf der einen und Rebellen auf der anderen Seite plötzlich fast eine religiöse Note verlieh: Obi-Wan Kenobi, der Macht, Kraft und Herrlichkeit besitzt, erscheint und berät Luke Skywalker, Darth Vader entpuppt sich als gefallener Engel, und Luke ist sein Sohn. »Die Rückkehr der Jedi-Ritter« spinnt diese Bibel-Travestie weiter: Der Imperator will Luke in Versuchung führen und ihn auf die Ądunkle Seite der Macht" ziehen (ĄDas alles biete ich dir ..."), und nach erfolgter Sühne und Läuterung Darth Vaders erscheint dieser dem siegreichen Helden im Verein mit Obi-Wan Kenobi und dem geistige Kraft spendenden Yoda als dreifaltige Repräsentation der Ąguten Seite der Macht".

 

So verwursten George Lucas und sein Co-Autor Lawrence Kasdan nicht nur die bewährtesten Elemente des klassischen Abenteuerkinos, sondern vermengen darin auch noch die aufs Trivialste reduzierten Grundzüge der christlichen Religion. Vermutlich liegt letztlich hier der große Erfolg der »Star Wars«-Filme begründet: Vor langer Zeit in einer unendlich fernen Galaxis haben sich die Leute mit den gleichen kriegerischen und philosophischen Konflikten herumzuschlagen wie wir armen Erdenwürmchen, und siehst du wohl, das Gute siegt am Ende doch. Das beruhigt und baut auf.

 

Robert Fischer

 

Dieser Text ist zuerst erschienen in epd Film 1/1984

 

Die Rückkehr der Jedi-Ritter

RETURN OF THE JEDI

USA 1983. Regie: Richard Marquand. Drehbuch: Lawrence Kasdan, George Lucas. Kamera: Alan Hume. Schnitt: Sean Barton, Marcia Lucas, Duwayne Dunham. Musik: John Williams. Ton: Tony Dawe, Randy Thom, Eric Tomlinson, Stuart Ziff. Bauten: Norman Reynolds; Fred Hole, James Schoppe, Joe Johnston. Ausstattung: Michael Ford, Harry Lange. Kostüme: Aggie Guerard Rodgers, Nilo Rodis-Jamero. Spezialeffekte: Richard Edlund, Dennis Muren, Ken Ralston. Produktion: Lucasfilm. Gesamtleitung: George Lucas. Produzent: Howard Kazanjian. Verleih: Twentieth Century-Fox. Länge: 3602m (132 Min). FSK: ab 12, ffr. Erstaufführung: 9.12.1983. FBW-Prädikat.- wertvoll. Darsteller: Mark Hamill (Luke Skywalker), Harrison Ford (Han Solo), Carrie Fisher(Prinzessin Leia), Billy Dee Williams (Lando Calrissian), Anthony Daniels (See Threepio [C3 PO]), Peter Mayhew (Chewbacca), Sebastian Shaw (Anakin Skywalker), Frank Oz (Yoda), Alec Guinness (Ben Obi-Wan Kenobi), Kenny Baker (Artoo Detoo [R2-D2]), David Prowse (Darth Vader).

 

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