zur startseite

zum archiv

Monks – The Transatlantic Feedback 

 

Kurz vor Schluss der aufwändig recherchierten Musikdokumentation stehen „The Monks“ 1999 in New York wieder auf der Bühne für ein Reunion-Konzert. Die „Monks“ hatten nie zuvor in den USA gespielt, aber im Publikum befindet sich reichlich Szene-Prominenz; dann legen die „Monks“ noch einmal richtig los – und ihr Sound klingt so modern, dass sie heute sicherlich auch als Newcomer für Furore sorgen würden. Nur der freundlich-augenzwinkernde Habitus passt nicht so recht; denn früher, da waren die „Monks“ „dangerous“, auf der Bühne, aber auch auf der Straße, so lautete eine Regel ihres „Monks“-Regelkanons. Das war um 1966, als sie mit nur einem Album, zwei Singles und einer Ochsentour von Live-Gigs ihr Image als „Anti-Beatles“ zu etablieren versuchten und vielleicht die härteste und modernste aller Beatbands waren. Ein Jahr später, unmittelbar vor einer geplanten sechsmonatigen Asien-Tour, war alles vorbei – ein „Monk“ erscheint einfach nicht am Flughafen Frankfurt. Die „Monks“ werden zur Legende, ebenso ihr Album „Black Monk Time“, das um 1980 als „Proto-Punk“ wiederaufgelegt wird. In der Folge werden sie wieder vergessen und als Geheimtipp gehandelt. Als Julian Cope 1995 seinen „Krautrocksampler“ veröffentlichte, bezeichnete er „Black Monk Time“ als „Beweis für Deutschlands Abgedrehtheit in den Mittsechzigern“: „Niemand ist je mit einem kompletten Album von solcher Demenz herausgekommen.“

 

Obwohl die „Monks“ zwischen 1965 und 1967 fast ständig auf Tour waren und oft zwei, drei Gigs an einem Tag spielten und dabei weder vor Detmold, Pinneberg noch Mölln zurückschreckten, blieben sie ein Rätsel. Hans Joachim Irmler („Faust“) erzählt, dass er den Auftritt der „Monks“ im „Beat-Club“ als etwas völlig Neues erlebte, und wagt die These, dass man „‘68 zwei Jahre eher hätte haben können, wenn man die politische Kraft dieser Musik nur begriffen hätte“. Ein wenig ist es mit den „Monks“ wie mit „The Velvet Underground“ oder den „Sex Pistols“: Wer verstand, was auf der Bühne vor sich ging, der ging los und gründete seinerseits eine Band. Wie auch „The Velvet Underground“ und die „Sex Pistols“ waren die „Monks“ mehr als eine Band, sie waren ein Projekt. Zuvor nannten sich die fünf in West-Deutschland hängengebliebenen GIs „The Torquays“ und waren eine solide, aber unoriginelle Beatband, die mit einem Repertoire von Cover-Versionen durch die Clubs tingelte. Immerhin müssen „The Torquays“ so gut gewesen sein, dass zwei deutsche Künstler auf sie aufmerksam wurden: Karl-H. Remy, Student der Hochschule für Gestaltung Ulm, und Walther Niemann, Student der Folkwang Schule in Essen, „designten“ die „Monks“ als „Anti-Beatles“: kurze Haare mit Tonsur, schwarze Kleidung, Strick um den Hals, gefährliches Image.

 

Die Musik der „Monks“ war ungewöhnlich und ihrer Zeit weit voraus: sehr rhythmisch, konzentriert, minimalistisch, laut. Sie spielten keine Solos, sondern hatten einen kompakten Gruppensound. Im Film gibt es gleich mehrere Definitionsangebote: „Heavy Metal der ersten Stunde“, „Proto-Techno“. Der Musiker Alec Empire geht sogar soweit zu behaupten, dass es ohne die „Monks“ weder „Kraftwerk“ noch „Einstürzende Neubauten“ gegeben hätte. Im Repertoire der Band fand sich auch der Song „Monk Time“, ein fast schon hysterisches Statement gegen den Vietnam-Krieg. In den GI-Clubs Süddeutschlands konnte man mit so einem Song nicht reüssieren, aber in Hamburg St. Pauli schon. Die Filmemacher haben die auskunftsbereiten Musiker ausführlich interviewt – und man staunt, dass die älteren Herren über ihre Vergangenheit ihrerseits staunen. Man gewinnt den Eindruck, dass sie erst allmählich bemerkten, auf welches Spiel sie sich da mit ihren Fluxus- und Happening-geschulten Image-Beratern und Managern eingelassen hatten. Auch das Anti-Vietnam-Kriegsstatement wurde innerhalb der Band durchaus kontrovers diskutiert. Insofern ist es bedauerlich (wenn auch im Sinne des Images der „Monks“ konsequent), dass sich Remy und Niemann der Mitwirkung am Film versagt haben. Die Karriere verlief ambivalent: Einerseits spielte man mit Jimi Hendrix und den Troggs, andererseits traf man in der westdeutschen Provinz auf den Unmut eines tanzwütigen Publikums, das sich durch das Image und die Musik verstört zeigte. Allmählich wurde das „Anti“-Image zum anstrengenden Korsett, zur Last. Der Film zeigt sehr schön, wie die Musiker anfingen, gegen die „Monks“-Regeln zu verstoßen, sich auch einmal ein buntes Hemd anzogen oder die Haare wachsen ließen.

 

Die Filmemacher, die sechs Jahre Arbeit in ihren Film gesteckt haben, beginnen ihre Rekonstruktion zu Beginn der 1960er-Jahre und erzählen auch, was aus den Musikern wurde, als das Projekt beendet war. Auch in diesen Geschichten steckt so viel Leben, dass man dem Film seinen etwas ungelenken, eher assoziativen Einsatz von dokumentarischem Material nachsieht. Wenn Kennedy ermordet wird oder Adenauer durchs Bild geht, spielt der Film auf Zeit, auch die Aufnahmen vom Dreh des Afri-Cola-Spots von Charles Wilp hätte es nicht schon wieder gebraucht, Wilps Reflexionen zu den „Monks“ sind dagegen essenziell. Insofern ist der Film ein wichtiger Beitrag zur westdeutschen Popgeschichte, und er kommt zur rechten Zeit: Als die „Monks“ Ende 2006 noch einmal ein Konzert gaben, war die „Volksbühne“ komplett ausverkauft.

 

Ulrich Kriest

 

Dieser Text ist zuerst erschienen in: film-dienst

 

Monks - The Transatlantic Feedback

Deutschland / USA / Spanien 2006 - Regie: Dietmar Post, Lucía Palacios - Darsteller: (Mitwirkende) Gary Burger, Dave Day, Roger Johnston, Charles Wilp, Jimmy Bowien, Wolfgang Gluszczewski, Larry Clark, Gerd Henjes - FSK: ab 6 - Länge: 100 min. - Start: 4.10.2007

 

zur startseite

zum archiv