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Mona Lisas Lächeln

Julias Lächeln

 

Die Vereinigten Staaten zu Beginn der fünziger Jahre: Nachdem die amerikanischen Frauen im Krieg erstmals die Aufgaben ihrer Männer übernehmen mussten, werden sie gleich nach Kriegsende wieder an den Herd zurückgedrängt. Das weibliche Ideal ist die Hausfrau, die sich um Haushalt und Kinder kümmert. Das gilt auch für das renommierte Wellesley-College, an dem die weibliche Elite des Landes herangezogen wird. Selbst bei diesen hochintelligenten und hervorragend ausgebildeten Frauen heißt das Ziel, so schnell wie möglich einen Mann zu angeln und eine Familie zu gründen.

 

In dieser stockkonservativen Szenerie taucht eines Tages die resolute Lehrerin Katherine Watson (Julia Roberts) auf, eine ehrgeizige Frau aus einfachen Verhältnissen, die den gesellschaftlichen Aufstieg ganz aus eigener Kraft geschafft hat. Ihr Ziel ist es, die Schülerinnen zu selbständig denkenden Wesen zu erziehen. Konflikte sind vorprogrammiert; nicht nur mit dem übrigen Lehrkörper, sondern auch mit den Mädchen selbst, denn denen leuchtet zuerst gar nicht ein, warum sie auf Ehemann und Kinder verzichten sollen.

 

Kommt der Plot irgendwie bekannt vor? Kein Wunder, denn Mona Lisa Smile ist nichts anderes als die weibliche Variante des mittlerweile schon klassischen College-Dramas Dead Poets Society (Club der toten Dichter). Statt in einem Jungen-Internat spielt die Geschichte in einer Mädchenschule, und die Unruhestifterin unterrichtet diese mal nicht Literatur, sondern Kunstgeschichte, ansonsten gibt es erstaunlich wenig Änderungen. Sogar das Ende ist ähnlich: Als Katherine die Schule verlassen muss, kommt es zu einer gemeinsamen Solidaritätsbekundung der Schülerinnen.

 

Nun ist es ja nicht grundsätzlich Schlechtes, eine bewährte Geschichte neu zu erzählen, nur leider fällt Mona Lisa Smile gegenüber dem Vorbild in so ziemlich jeder Hinsicht deutlich ab. Man muss kein Fan von Dead Poets Society sein – der Schreibende ist es auf jeden Fall nicht – um anzuerkennen, dass er ein Musterbeispiel in Sachen dramaturgischer Geschlossenheit ist. Für Mike Newells Aufguss gilt das leider nicht. Mona Lisa Smile kann sich nie so recht entscheiden, ob er die Beziehungsprobleme von Katherine oder nicht doch das Seelenleben der College-Zöglinge zum Zentrum hat. Das Drehbuch wirkt unfertig, und viele Szenen könnten genau so gut auch weggelassen werden. Die Gesellschaftskritik bleibt brav und oberflächlich und die Figuren sind zum grossen Teil klischiert Dafür können in Katherines Bemühen, ihren Schülerinnen das Wesen von Kunst näherzubringen, ein paary typische Hollywood-Sentenzen vom Stapel gelassen werden – „Think beyond the picture!“

 

Höhepunkt des Films ist ironischerweise der Abspann, ein Zusammenschnitt diverser amerikanischer Werbe-, Quiz- und Unterhaltungssendungen der fünfziger Jahre. Diese wenigen Minuten authentischen Materials sind witziger als die gesamten vorangegangenen zwei Stunden und sind letzlich auch die viel beißendere Zeitkritik und Julia Roberts tut wenig mehr als ihr zweifellos sehr charmantes Lächeln zu zeigen.

 

Simon Spiegel

 

Diese Kritik ist zuerst erschienen in:   simifilm

 

Mona Lisas Lächeln - Originaltitel: Mona Lisa Smile -USA 2003 - Regie: Mike Newell - Darsteller: Julia Roberts, Kirsten Dunst, Julia Stiles, Maggie Gyllenhaal, Ginnifer Goodwin, Dominic West, Juliet Stevenson, Marcia Gay Harden, John Slattery, Marian Seldes - Länge: 115 min. - Start: 22.1.2004

 

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