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Momentum

 

Das FBI hat mal wieder Mist gebaut. Es hat eine Gruppe von Leuten in die Kunst des Mordens eingewiesen, denen es nun plötzlich nicht mehr vertraut. Nur sind die Leute inzwischen so effektive Killer, dass sie nicht mehr so leicht auszuschalten sind. Ihre Amerikafreundlichkeit muss ja in Amerikahass umschlagen, wenn sie nicht nur wie heiße Kartoffeln fallengelassen, sondern nun auch als Staatsfeinde Nummer Eins gehandelt und terminiert werden sollen. Da ist der Weg in den Untergrund verständlich und der kleine Schritt zum Terrorismus böse, aber irgendwie nachvollziehbar.

 

Was hier wie eine Michael-Moore-Aufklärungslektion in Sachen US-Außenpolitik aussieht, ist in Wahrheit der Plot eines US-TV-Thrillers, der in diesen Tagen in Deutschland auf DVD erschienen ist. Die Terroristen - und das ist das Bemerkenswerte an diesem Film – sind keine finsteren Muselmanen, sondern Blonde, Schwarze, ja, sogar auch Kinder, die alle über zwei Qualitäten verfügen: Sie sind telekinetisch begabt und sie sprechen einwandfrei englisch, denn sie sind allesamt astreine Amerikaner.

 

Das Bemerkenswerte an „Momentum“ ist, dass er eine amerikanische Gefühlslage der Angst und Unsicherheit nach dem 11. September nicht völlig unreflektiert in einer hysterisch-patriotischen Bejahung einer mörderischen Politik aufzulösen versucht, sondern dass er es vermag, den Feind im eigenen Land wahrzunehmen, denn Teile des (!) FBI sind genauso schuld und böse und verbrecherisch wie Teile der ursprünglich unschuldigen Telekinetiker, deren Talent, Dinge mit Geisteskraft zu bewegen unter FBI-Aufsicht in die Technik, Menschen mit Geisteskraft zu töten, verfeinert wurde.

 

Das aber ist fast schon alles, was an „Momentum“ bemerkenswert wäre, denn der Film als Film ist es bei weitem nicht. Er ist billig gemachte, mit einer ansonsten nicht sonderlich stringenten Handlungslogik versehene und langweiligen (Ausnahme: der ziemlich gut fiese Louis Gossett, jr.) Schauspielern besetzte B-Ware. Nur eines hat mich nachhaltig berührt: Der Anführer, sozusagen der Bin Laden der Telekinesen, Michael Massee hat immer so was Düster-Melancholisches im Blick. Wenn er auch sonst überhaupt nicht brilliert: sein Blick ist gut und er kommt einem wirklich irgendwie vertraut vor mit dem Tod. Vielleicht hängt das ja damit zusammen, dass er derjenige war, dem man bei den Dreharbeiten zu „The Crow“ versehentlich eine scharfe Waffe in die Hand gab, der auf Brandon Lee schoss – und ihn tödlich verletzte. Vielleicht hängt das aber auch nur damit zusammen, dass ich das später irgendwo gelesen und zuviel überflüssige Phantasie habe...

 

Andreas Thomas

 

Dieser Text ist nur in der filmzentrale erschienen

 

Momentum

USA/Deutschland 2003

Anbieter: MC One

Regie: James Seale

Laufzeit: 88 Minuten

Erscheinungsdatum: 15.06.2004

Darsteller:

Louis Gossett jr., Teri Hatcher, Grayson McCouch, Michael Massee, Nicki Lynn Aycox, Zachary Galligan

 

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