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Maria voll der Gnade

 

 

 

 

Gesegnet sei dein Leib

 

Jede Chance wird genutzt: Joshua Marstons Wettbewerbsfilm "Maria voll der Gnade" verbündet sich mit einer Kokainschmugglerin auf dem Weg nach "Nueva York"

 

Am Ende eines Entwicklungsromans hat der Held seinen Platz in der Gesellschaft gefunden. So auch die Kolumbianerin Maria: New York, trotz allem. Maria, so wird die US-amerikanisch-kolumbianische Koproduktion nicht müde zu erklären, ist anders als die anderen: mutiger, klüger, schöner und rebellischer als die Befehlsempfängerinnen in der Plantage. Sie ist genervt von der Schwester, die mit einem Kind sitzen geblieben ist, das sie von Marias Lohn ernährt.

 

Ja, die Besten, in einem eher US-amerikanischen Sinne, die Tapfersten und Begabtesten Kolumbiens werden zu Drogenkurieren. Dabei kann man verhaftet oder sogar umgebracht werden. Oder Glück haben und davon träumen, der Familie ein Haus zu kaufen. Oder man macht es wie Maria Alvarez und bleibt drüben. Denn die Allerbesten werden zu illegalen Immigranten in Nueva York.

 

Nur trägt sie sechzig Beutel Kokain nicht nur im Leibe, sondern auch noch in einem gesegneten solchen. Der Scherz, dass Maria "voll der Gnade" sei, bliebe angesichts der vielen schwangeren und/oder Koks schmuggelnden Kolumbianerinnen hier ebenso sarkastisch wie derb, wenn nicht diese Schwangerschaft ein ganz nüchternes Argument liefern würde: Nur in den USA gibt es die "oportunidades", die Möglichkeiten eines anderen Lebens auch für das Kind. Die Schwangerschaft wird letzter Anstoß, einen weiteren Schritt zu wagen, und damit zum Gegenteil des Gefängnisses, das sie für die anderen Frauen bedeutet.

 

Dabei herrscht auch in New York das gleiche Bild: Frauen arbeiten und erziehen Kinder. Dass dennoch ein Frauenarzttermin zum Grund des Bleibens wird, ist nicht ideologisch, sondern passt zu Marias rastloser Methode, jede Chance zu ergreifen und jede Adresse aufzusuchen. Joshua Marstons Debüt verbündet sich mit der Migrantin, wenn er so akkurat wie liebevoll deren Entscheidungen im Angesicht totaler Perfidie nachvollzieht. Er nimmt die Perspektive des anderen, an der Koproduktion beteiligten Partners ein, wenn er den Weg zum Bleiben als fast darwinistische Selektion der Fittesten zeigt: die pummelige Beta-Freundin Blanca trägt ihren Schmollmund zurück nach Bogotá. Auch FDP und Unternehmerverbände waren aus diesen Gründen nie für den ganz strikten Ausschluss von Einwanderern, man sollte es denen nur nicht zu leicht machen.

 

Diedrich Diederichsen

 

Dieser Text ist zuerst erschienen in der: taz

 

 

Maria voll der Gnade

USA 2004 - Originaltitel: Maria Full of Grace - Regie: Joshua Marston - Darsteller: Catalina Sandino Moreno, Virgina Ariza, Yenny Paola Vega, Rodrigo Sánchez Borhorquez, Charles Albert Patiño, Wilson Guerrero - FSK: ab 12 - Länge: 101 min. - Start: 21.4.2005

 

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