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Komm und sieh

 

Fljora Gajschun ist 14 Jahre alt - ein Kind, ein Partisan oder nur ein Zeuge? Erwachsensein ist kein Ergebnis von Reife durch Bildung, sondern des Durchstehens des Entsetzlichen.

 

Es gibt gut gemeinte Antikriegsfilme, die cineastisch in ihr Gegenteil umschlagen, den Krieg ideologisieren oder gar verharmlosen. Jeder, der einige der so genannten Antikriegsfilme gesehen hat, weiß um die Problematik des Genres, um das Problem der Darstellbarkeit des Krieges. "Idi I Smotri" jedoch nimmt aufgrund seiner Schonungslosigkeit und Tragik eine überragende Ausnahmestellung in der Filmgeschichte ein, die sowohl künstlerisch als auch in ihrem pazifistischen Engagement in hohem Maße überzeugt und einzigartig ist.

 

Weißrussland, 1943. Der 14jährige Fljora Gajschun schließt sich gegen Protest seiner Mutter den Partisanen an. Für ihn ist der Krieg noch ein Kinderspiel. Als es aber in den Kampf geht, darf er nicht mit an die Front. Fljora soll statt dessen mit Alten und Kindern ein Reservelager einrichten. Der Junge fühlt sich alleingelassen. In den Wäldern trifft er auf das Mädchen Glascha, die Geliebte des Partisanenführers. Fljora versucht sie zu trösten, als die Hölle über beide hereinbricht: Sie sind in einen Angriff der deutschen Wehrmacht geraten! Nur knapp können die beiden dem Tod entrinnen, aber die Schrecken haben kein Ende: Fljora wird Zeuge der entsetzlichen Massaker, die Nazi-Schergen unter der russischen Zivilbevölkerung anrichten.

 

Die aufwühlende Bildern der "Vergeltungsaktion" beruhen tatsächlich auf Augenzeugenberichten.

 

So muss er einer faschistischen "Vergeltungsaktion" beiwohnen, bei der unschuldige Menschen, überwiegend Frauen, Kinder und Greise in einer Holzkirche lebendig verbrannt werden! Diese traumatischen Erlebnisse lassen den Jungen innerhalb kürzester Zeit um Jahre altern... Er erlebt die jämmerliche Todesangst der von den Partisanen gefassten Mörder und steht schließlich vor einer Pfütze, in der ein Hitler-Portrait mit der Aufschrift "Hitler - der Befreier" liegt. Die Stationen, die wir mit ihm innerhalb einer kurzen Zeitspanne erleben, sind Stationen der Zerstörung. Der Terror ist immer plötzlich da und dann andauernd: Fast schmerzhaft überfallen die Bilder des Schreckens auch den Zuschauer.

 

Filmzitat: "Alle ohne Kinder: Heraustreten! Wer ohne Kinder ist, kann raus!".

 

Der in Russland bekannte Regisseur Elem Klimow zeigt die Gräuel des Krieges, insbesondere die Verbrechen der Wehrmacht [im Film sichtbar am Massaker beteiligt sind allerdings nur: SS, SD und Kollaborateure - die fz-Redaktion], aus der Sicht seines Hauptdarstellers. Publikum und der Protagonist auf der Leinwand werden dabei eins, Kommentare und Erklärungen erübrigen sich. Er inszenierte seinen einzigartigen Film bewusst realistisch und grausam, was ihm bei den Moskauer Festspielen Gold und in Venedig viel Beachtung einbrachte.

 

Rafael Kozub

 

 

Dieser Text ist zuerst erschienen bei: http://mitglied.lycos.de/RafaelKozub/fil/d/idi.htm

 

Komm und sieh

IDI I SMOTRI, UdSSR' 1985, Zeit: 136 Min., Produktion: Bialorusfilm, Mosfilm, Regie: Elem Klimov, Kamera: Alexej Rodionow, Musik: Oleg Jantschenko, Darsteller: Aleksej Krawschenko, Olga Mironowa, Lubomiras Lauciavicus, Wladas Bagdonas, Viktor Lorenz.

 

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