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Die Klapperschlange

 

Abgespult

 

Was John Carpenter (u.a. „Halloween“, 1978; „The Fog“, 1980) auf jeden Fall mit „Escape from New York“ gelang: Er zeigt ein Manhattan, das gar nicht mehr so aussieht, wie man es kennt. Manhattan ist ein riesiges Hochsicherheitsgefängnis unter freiem Himmel geworden, teilweise verfallen, der Müll, Bruchstücke von Häusern, Ratten usw. säumen die 5th Avenue und den Broadway. Manhattan wird von einzelnen Banden beherrscht. Der Mächtigste von ihnen ist der Duke (Isaac Hayes), ein skrupelloser, machtbesessener Mann, er nur eines will: raus hier. Von starken Polizeikräften außerhalb dieser Hölle kontrolliert, befindet sich innerhalb dieser „Mauern“ kein einziger Cop oder Soldat.

 

 

• I N H A L T •

 

Star dieses Films aber ist Kurt Russell als der wegen Einbruchs in ein Nuklearwaffendepot verurteilte Snake Plissken, der just in dem Moment eingeliefert wird, als Terroristen das Flugzeug des Präsidenten (Donald Pleasence) kapern. Der kann zwar mit einer Rettungskapsel entkommen, aber nur um dann in die Hände von Romero (Frank Doubleday), der rechten Hand des Dukes, zu fallen. Pech. Die Maschine selbst fliegt das „antiimperialistische“ Selbstmordkommando schnurstracks in einen der Wolkenkratzer. Überlebende? Keine.

 

Der Leiter der Sicherheitskräfte Bob Hauk (Lee van Cleef) hat schon von Snake gehört, der einmal fähigstes Mitglied einer Elitetruppe war. Hauk will, dass Snake den Präsidenten aus dem Schlamassel herausholt – per Segler. Um ihn, der davon nichts hören will, zu zwingen, lässt er ihm zwei stecknadelgroße Kapseln in den Hals injizieren, die sich nach 24 Stunden auflösen und explodieren und nur durch eine weitere Injektion unschädlich gemacht werden können.

 

Snake hat zunächst Probleme, sich in der schummrigen Welt der Banden zurechtzufinden. Mit der Hilfe eines Taxifahrers namens Cabbie (Ernst Borgnine) trifft er einen alten Bekannten, der ihn einst im Stich gelassen hat, namens Brain (Harry Dean Stanton). Brain und seine Freundin Maggie (Adrienne Barbeau) zeigen ihm den Weg zum Duke. Die Zeit scheint Snake davon zu laufen. Der Duke plant, mit Hilfe des Präsidenten als Geisel Manhattan über eine verminte Brücke zu verlassen ...

 

 

• I N S Z E N I E R U N G •

 

Was John Carpenter uns als Sciencefiction verkaufen will, entpuppt sich im wesentlichen als mittelmäßiger Actionfilm, der in die nahe Zukunft verlegt wurde. Die düstere Atmosphäre kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass es der Geschichte an Phantasie und gut ausgearbeiteten Charakteren weitgehend fehlt. Dem ausgefeilten Design, dem Aufwand, der betrieben wurde, um ein New York zu zeichnen, das mit der wirklichen Weltstadt fast nichts mehr gemein hat, kann die Handlung kaum standhalten. Sicher, Kurt Russell liefert eine zugegebenermaßen glaubwürdige Darstellung des äußerst vorsichtigen Mannes, der die Nerven behalten muss, um aus dem Schlamassel heil wieder herauszukommen. Aber die übrige Crew, einschließlich Lee van Cleef, Isaac Hayes, Donald Pleasence (der wesentlich besseres kann, als auf Sparflamme in einer Nebenrolle zu spielen), Harry Dean Stanton, Tom Atkins und Adrienne Barbeau, begnügt sich mit unterstützender Arbeit für den Hauptdarsteller. Frank Doubleday als Romero ist zwar unheimlich böse – nett anzusehen –, taucht aber nur selten auf. Einzig Alt-Mime Ernest Borgnine bringt das herüber, was dem Film im übrigen merklich fehlt: Charakter.

 

Die Geschichte selbst ist einfach zu durchsichtig, als dass man ihr etwas an Hochspannung abgewinnen könnte. War das alles, habe ich mich am Schluss gefragt. Ein Präsident wird entführt, gesucht, gefunden, befreit. Punkt. Der Einfallslosigkeit des Drehbuchs entsprechen beispielsweise folgende zwei Szenen: In einer muss sich der gefangen gesetzte Snake auf Geheiß des Duke einem Koloss im Ring stellen. Nachdem er wider Erwarten den Baum von einem glatzköpfigen Mann gefällt hat, spaziert er wieder munter in die Freiheit. Drehbuchtrick. 24 Stunden sind Zeit, also muss Snake irgendwie wieder frei kommen. Aber auf eine so billige Tour? In einer anderen Szene zu Anfang des Films trifft Snake auf eine Frau in einem ehemaligen Chock Full O’Nuts, die im weiteren Verlauf der Handlung überhaupt keine Rolle mehr spielt. Dieses Szene erscheint wie ein Lückenfüller, eine leere „Atempause“: bedeutungslos. Ansonsten jagen Snake samt Brain und Maggie von einem Ort zum anderen, oder werden gejagt.

 

 

• F A Z I T •

 

Aus diesem Film hätte man wirklich mehr machen können. Und selbst der Showdown (von dem man schon zur Hälfte des Films mehr oder weniger erfährt, weil der Duke preisgibt, was er mit dem Entführten plant) kann den Adrenalinspiegel kaum in die Höhe treiben. Man hätte z.B. der Frage nachgehen können, wie Menschen unter solchen Bedingungen leben, wie sie sich nach Jahren verhalten, welche Gruppen sich bilden, was sie tun, auch als ein Fremder eindringt, kurz: welche Mentalität sie ausbilden. Doch derartiges wird kaum einmal angeschnitten. Lediglich bei Cabbie ist ansatzweise zu spüren, welche Richtung der Film hätte nehmen können. Wirklich schade.

 

Wertung: 5 von 10 Punkten.

 

Ulrich Behrens

 

Diese Kritik ist unter dem Autorennamen POSDOLE zuerst erschienen bei: www.ciao.de

 

Die Klapperschlage

(Escape from New York)

USA 1981, 99 Minuten

Regie: John Carpenter

Drehbuch: John Carpenter, Nick Castle

Musik: John Carpenter, Claude Debussy

Director of Photography: Dean Cundey, Jim Lucas

Schnitt: Todd. C. Ramsay

Produktionsdesign: Joe Alves

Darsteller: Kurt Russell (Snake Plissken), Lee van Cleef (Bob Hauk), Ernest Borgnine (Cabbie), Donald Pleasence (Der Präsident), Isaac Hayes (The Duke of New York), Season Hubley (Frau im ‘Chock Full O’Nuts), Harry Dean Stanton (Brain / Harold Helman), Adrienne Barbeau (Maggie), Tom Atkins (Rehme), Charles Cyphers (Minister), Frank Doubleday (Romero)

 

Internet Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0082340  

 

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