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Katzenmenschen (1942)

 

 

 

 

Jacques Tourneurs „Katzenmenschen“ ist trotz seines Klassikerstatus den Filmfans schon ein wenig außer Sicht geraten, dabei ist der Film, der den Werwolfmythos auf weibliche Art und Weise variiert in punkto Inszenierung und Atmosphäre richtungsweisend. Bekannter ist da schon das Remake mit Nastasja Kinski, welchem jedoch kein besonderer Erfolg beschieden war, während der von Val Lewton produzierte Film sich zum kleinen Renner entwickelte.

 

Tourneurs Inszenierungsstil ist so geschickt wie intensiv, sein Kameramann bringt dabei die atmosphärischsten Licht- und Schatteneffekte zustande, die man sich vorstellen kann. Das Licht ist meistens grell und strahlend, stark abgesetzt gegen die undurchdringliche Finsternis, die katzenhafte Ungeheuer gebiert. Damit unterstreicht der Film die für die Zeit ungewöhnliche, unverhohlen diskutierte sexuelle Komponente. Die aus Europa stammenden Katzenmenschen verspüren den Drang zur Verwandlung in große Katzen nämlich nur, wenn sie sexuell stimuliert werden, bzw. wenn sie wütend werden.

 

Als der Angestellte Oliver seine Kollegin Irena heiratet, ahnt er noch nicht, daß sich Irena ihm sexuell dauerhaft verweigern wird, weil sie die Wildheit des Tiers scheut. Er glaubt natürlich nicht daran, schaltet die Psychoanalyse ein, tut das in Frustration schließlich als Frigidität ab und entfremdet sich mehr und mehr von ihr. Das treibt ihn zu seiner langjährigen Freundin Alice, die ihn heimlich liebt, bis sie es nicht mehr verheimlichen kann, als sie sieht, wie er sich quält. Den Ton ist für den vom Hays Code bedrängten Film der 30er und 40er erstaunlich offen und die Thematik schön kontrovers. Die Kommunikationsschwierigkeiten treiben ihn in Richtung Ehebruch, worauf Irena mit gefährlicher Eifersucht reagiert. Dabei ist noch gar nichts passiert, obwohl es sich am Horizont deutlich abzeichnet.

 

Gleichzeitig bedeutet der von sich selbst überzeugte Psychiater die personifizierte aktive Sexualität. Seine Hypnosebehandlungen können Irena nicht helfen, er sitzt selbst in tiefster Dunkelheit, während ihr (menschliches) Licht bei ihm zu erlöschen droht. Seine „Aktivität“ und „Agressivität“ kostet ihn schließlich sein Leben.

 

Wenn man nicht auf die Story achtet, sollte man sich den Bildern und Sets widmen: Hell/Dunkel-Kontraste bestimmen die Szenerie, schwarze Flächen und Lichtquellen grenzen sich gegeneinander ab, das Verhängnis zeichnet sich durch Schlagschatten von Möbeln, Leitern etc. schon früh ab. Gleichzeitig sind einige denkwürdige Sequenzen geschaffen worden. Die berühmteste Szene ist sicherlich die, in der Alice in einem dunklen Kellerpool schwimmt, als plötzlich Dunkelheit hereinbricht und scheinbar ein großer Panther das schmal beleuchtete Viereck des Beckens umstreicht.

 

Hervorragend auch eine Verfolgungsszene in einer nächtlichen Parkgasse, als Alice sich erstmals von der Katze verfolgt fühlt. Daß am Ende das „Tier“ tatsächlich dem Zuschauer gezeigt wird (es handelt sich um einen simplen Panther) ist fast unnötig, aber die leuchtenden Augen des Tiers im tiefen Schwarz eines schwach beleuchteten Büroraums (eine Hängelampe ist die einzige Lichtquelle, an die sich die Protagonisten noch klammern können), sind trotzdem extrem stimmungsvoll.

 

Außerordentlich sorgfältig gemacht ist dieser sauber erzählte Gruselfilm alter Schule, innovativ und mit einer großartigen S/W-Fotografie gesegnet. Beim nächsten Mal unbedingt NICHT verpassen.

 

Silvan Prefetzky

 

Dieser Text ist zuerst erschienen in: www.omdb.de

 

Katzenmenschen (1942)

CAT PEOPLE

USA - 1943 - 75 (Video 70) min. – schwarzweiß – Horrorfilm - FSK: ab 12 (Video) - Verleih: offen - Kinowelt Home/VMP (Video) - Erstaufführung: 3.7.1974 West 3 - Fd-Nummer: 34192 - Produktionsfirma: RKO –

Produktion: Val Lewton

Regie: Jacques Tourneur

Buch: DeWitt Bodeen

Kamera: Nicholas Musuraca

Musik: Roy Webb

Schnitt: Mark Robson

Darsteller:

Simone Simon (Irene Dubrovna)

Kent Smith (Oliver Reed)

Tom Conway (Psychiater)

Jane Randolph (Alice Moore)

Jack Holt (Commodore)

 

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