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Kap
der Angst
"There
is nothing in the dark that isn't there in the light. Except
fear."
(Werbeslogan
für den Film)
Vor
14 Jahren hat Max Cady (Robert de Niro) sich wegen einer Vergewaltigung vor
Gericht verantworten müssen. Anwalt Sam Bowden (Nick Nolte) hat Cady verteidigt,
aber den Fall nicht zugunsten seines Mandanten entscheiden können. Das
Zünglein an der Waage, eine Unterlage, die Cady hätte entlasten können,
hat Bowden seinerzeit nämlich einfach unter den Tisch fallen lassen. Bowdens
Kalkül: Cady ist schuldig, hat Schuldspruch und drohende Haftstrafe also
auch verdient, und da der Hinterwäldler überdies des Lesens unkundig
ist, wird er von der Schiebung ohnehin nichts bemerken.
Leider
hat Bowden die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn jetzt ist Cady wieder auf
freiem Fuß - und er ist von einem einzigen Gedanken beseelt: Rache an
dem Mann zu üben, der ihn für 14 lange Jahre hinter Gitter gebracht
hat. In der Zwischenzeit hat Cady lange Zeit Versäumtes nachgeholt und
liest nicht nur Nietzsche, sondern hat sich im Selbststudium außerdem
ein solides Wissen über den Anwaltsberuf angeeignet und mehrfach eine Revision
seines Falls beantragt. Der gewünschte Erfolg ist zwar ausgeblieben, aber
dafür kennt Cady jetzt die genauen Umstände, die zu seiner Verurteilung
geführt haben.
An
dem Tag, an dem Cady aus der Haft entlassen wird, zieht symbolträchtig
ein Sturm auf: von Stund an wird Cady die dunkle Wolke sein, die über dem
Leben von Bowden und seiner Familie schwebt.
Bowden
hat einfach keine rechtliche Handhabe gegen Cady: Dessen Drohgebärden sind
vor Gericht nicht verwertbar, noch hat Cady sich nichts zuschulden kommen lassen
-
und
dass Cady Bowdens Hund Ben vergiftet hat, muss der Anwakt schließlich
auch erst einmal nachweisen können. Cady lungert vor, aber nicht auf Bowdens
Grundstück herum und achtet auch sonst peinlich genau darauf, Bowden nichts
an die Hand zu geben, was der gegen ihn verwenden könnte. Selbst als der
sadistische Cady eine Kollegin Bowdens vergewaltigt und verstümmelt, ist
Bowden machtlos: Lori Davis (Illeana Douglas) ist fest entschlossen, lieber
zu schweigen, als vor Gericht einen Spießrutenlauf zu absolvieren und
vor Kollegen intimste Details ihres Privatlebens zur Inspektion auszubreiten.
Mehr
noch: Bowdens Frau Leigh (Jessica Lange) mutmaßt jetzt auch noch, dass
Sam Mann eine Affäre mit Davis gehabt haben muss - warum sonst sollte Cady
es ausgerechnet auf eine Kollegin ihres Mannes abgesehen haben … ?
Als
Cady sich dann auch noch an Bowdens halbwüchsige Tochter heranmacht, ist
das Maß voll. Einem Ratschlag von Privatdetektiv Claude Kersek (Joe Don
Baker) folgend, hetzt Bowden drei bezahlte Schläger auf Cady, um den zum
Verlassen der Stadt zu bewegen - dumm nur, dass Bowden Cady vorwarnt und der
das Gespräch heimlich mitschneidet. Doch damit nicht genug: Das Trio lauert
Cady auf - aber der nimmt es mit allen dreien auf und verpasst dem Rollkommando
eine gehörige Abreibung. Und die nächste unangenehme Überraschung
folgt auf dem Fuße: mit Schrecken muss Bowden feststellen, dass er von
Staranwalt Lee Heller (Gregory Peck) keine Schützenhilfe erwarten darf
- denn der hat, schon am Vortag, ein Mandat von Max Cady erhalten.
Die
Geschehnisse eskalieren, als Cady Bowdens Haushälterin und Schnüffler
Kersek umbringt. Bowden flieht mit Frau und Tochter auf ein Hausboot: dorthin,
so glaubt er, wird Cady nicht finden. Leider täuscht Bowden sich abermals:
Cady hat sich längst auf die Spur der Familie gesetzt, und als der Himmel
über Floridas Sümpfen die Schleusen öffnet, kommt es zum dramatischen
Showdown am Cape Fear …
Aus
John D. Mac Donalds Roman "The Executioners", auf dem Martin Scorseses
Film aus dem Jahr 1991 basiert, hatte Regisseur J. Lee Thompson schon 30 Jahre
zuvor einen Film gemacht - der heißt ebenfalls "Cape Fear" (deutscher
Titel: "Ein
Köder für die Bestie")
und hat auch sonst noch einiges mit Scorseses Film gemeinsam. Da wäre zum
Beispiel der Soundtrack von Hitchcocks langjährigem Hauskomponisten Bernard
Herrmann: die Musik, die Herrmann für Thompsons "Cape Fear" geschrieben
hatte, ist, bis auf geringfügige Unterschiede, auch die Musik von Scorseses
"Cape Fear". Warum auch nicht, schließlich ist Herrmann einer
der ganz Großen seiner Zunft gewesen, und wo es nichts zu verbessern gibt,
muss man auch nichts verschlimmbessern: besser gut kopiert als schlecht erfunden.
Mit
Robert Mitchum und Gregory Peck geben sich außerdem die Hauptdarsteller
des schwarzweißen Originals von 1961 jeweils kurz die Ehre, und auch Martin
Balsam, der in Thompsons Film den Polizeichef gibt, hat eine Rolle in Scorseses
Remake übernommen.
Das
lebt jedoch vor allem von Robert de Niros intensivem Spiel. Seine Darstellung
des Zigarre rauchenden Max Cady orientiert sich zwar an der von Mitchum, aber
de Niro macht aus einem großartigen Schurken eine überlebensgroße
Figur: sein muskelbepackter, am ganzen Leib tätowierter Max Cady ("I
don't know whether to look at him or read him", sagt Robert Mitchum in
einer Szene über de Niros Cady) fasziniert und stößt zugleich
ab: in einer Schlüsselszene des Films erliegt Bowdens Tochter Danielle
erst dem Charme des charismatischen Verführers Cady und lässt sich
von ihm küssen, um dann entsetzt davonzulaufen. Gegen Ende des Films wird
aus Cady dann endgültig eine monströse Schreckgestalt, die nur noch
wenig Menschliches an sich hat: anscheinend unverwundbar, gewinnt Cady hier
Züge eines Frankensteinschen Monsters. Daraus zu schließen, das Publikum
müsse eher mit Bowden als mit Cady sympathisieren, wäre aber wohl
übereilt: auch Anwalt Bowden hat sich schließlich selbst über
das Gesetz gestellt, als er die Unterlage, mit der er für seinen Mandanten
doch noch einen Freispruch hätte erwirken können, eigenmächtig
verschwinden ließ. Die Frage nach "Gut" und "Böse"
ist also auch in "Cape Fear" nicht ganz einfach zu beantworten. Für
Cady, der sich in der Haft juristisch weitergebildet hat, ist der Fall sowieso
klar: Bowden und er sind Kollegen!
Die
Bewertungen, die der renommierte "Halliwell's Film Guide" für
das Original und das Remake verleiht, könnten unterschiedlicher kaum sein:
während Thompsons rund 90-minütiges Original als nur mäßig
spannendes B-Film-Stück kräftig verrissen wird, gibt's für Scorseses
Remake 122-minütiges Remake ein kräftiges Lob.
Ich
kann mich dem Urteil nur bedingt anschließen. Scorseses Film ist spannungsgeladenes,
visuell beeindruckendes Kino (dass der Showdown komplett auf einem Set stattfindet
und sämtliche düster dräuenden Himmel über dem Sumpf aus
dem Effektstudio stammen, ist mir beim ersten Sehen wirklich nicht aufgefallen),
aber J. Lee Thompsons Original gefällt mir auch.
DVD
Ich
habe beide Filme, das Original wie das Remake, zusammen für vergleichsweise
günstige € 12,99 bekommen - in einem schmucken Set, in dem insgesamt sogar
drei DVDs stecken, da man das Bonusmaterial zu Scorseses "Cape Fear"
auf einer eigenen Disc untergebracht hat. Der Höhepunkt des Materials ist
ein gut 90-minütiges "Making of" (produziert von einem Herrn
namens Laurent Bouzereau, der für mich mehr und mehr so eine Art Making
of-Papst ist), das nicht nur Regisseur Scorsese, sondern auch seine Hauptdarsteller
ausführlich zu Wort kommen lässt - allen voran de Niro, der, so mein
Eindruck, sonst eher ein Interview-Muffel zu sein scheint, sich hier aber recht
auskunftsfreudig zeigt. Zusätzlich bietet die Bonus Disc rund zehn Minuten
lang "Deleted Scenes", ein paar Fotogalerien, Texttafeln zu "Cast
and Filmmakers' Biographies" sowie "Production Notes". Darüber
hinaus gibt's einen kurzen Zusammenschnitt der Szenen zu sehen, die von digitaler
Illusionsmalerei leben ("Matte Painting Montage"); drei weitere kurze
Beiträge versprechen einen Blick "Behind the Scenes of (…)",
sind aber allzu kurz, als dass sie wirklich erhellend wären. Den Zusammenschnitt
von vier Vorspännen, die "Credits"-Legende Saul Bass gestaltet
hat, finde ich persönlich zwar recht nett, aber eine vernünftige Würdigung
von Bass' Schaffen sieht natürlich anders aus. Wem der Sinn nach mehr steht,
der darf sich über den Trailer und weitere DVD-ROM-Zugaben freuen (die
ich allerdings nicht bewerten kann).
Der
im anamorphen 2.35:1-Widescreen-Format präsentierte Film überzeugt
mit kantenscharfem Bild und ausgezeichnetem Kontrast; der englischsprachige
Originalton in Dolby 5.1 wirkt räumlich uns ist gut zu verstehen; Franzosen,
Italiener, Spanier und Deutsche müssen sich allerdings mit einfachem 2.1-Surround
bescheiden. Dafür gibt's Untertitel in 15 Sprachen; zum Bonusmaterial lassen
sich, immerhinque, wahlweise französische, englische oder deutsche Untertitel
einblenden.
R
e s ü m e e
Der
Film stammt von Martin Scorsese, in der Hauptrolle ist Robert de Niro zu sehen,
der Titelvorspann stammt von Designerlegende Saul Bass ("Psycho",
"Der
unsichtbare Dritte")
und die Musik ist aus der Feder von Hitchcocks Komponist Nr.1 Bernard Herrmann
("Psy ---", ach, was - siehe oben!) - muss man noch mehr wissen? "Cape
Fear" überzeugt in sämtlichen Disziplinen und bietet von der
ersten bis zur letzen Minute Suspense-Kino vom Feinsten. Die Darsteller, allen
voran de Niro als Max Cady, Jessica Lange als Leigh Bowden und Juliette Lewis
als Tochter Danielle Bowden, sind ausgezeichnet, die Kameraarbeit von Freddie
Francis und der Schnitt von Thelma Schoonmakers sind ebenfalls toll.
Gemeinwesen
Dieser
Text ist zuerst erschienen bei: www.ciao.de
Kap
der Angst
CAPE
FEAR
USA
- 1991 - 128 min. – Scope - Literaturverfilmung, Thriller - FSK: ab 16; feiertagsfrei
- Prädikat: wertvoll - Verleih: UIP, CIC (Video) - Erstaufführung:
27.2.1992/21.10.1992 Video/13.1.1995 RTL - Fd-Nummer: 29409 - Produktionsfirma:
Universal/Geffen - Produktion:
Barbara
De Fina
Regie:
Martin Scorsese
Buch:
Wesley Strick
Vorlage:
nach dem Roman "The Executioners" von John D. MacDonald und einem
Drehbuch von James R. Webb
Kamera:
Freddie Francis
Musik:
Bernard Herrmann, Elmer Bernstein (Adaption und Arrangement)
Schnitt:
Thelma Schoonmaker
Darsteller:
Robert
De Niro (Max Cady)
Nick
Nolte (Sam Bowden)
Jessica
Lange (Leigh Bowden)
Juliette
Lewis (Danielle)
Joe
Don Baker (Claude Kersek)
Robert
Mitchum (Lt. Elgart)
Gregory
Peck (Lee Heller)
Martin
Balsam (Richter)
Illeana
Douglas (Lauri Davis)
Catherine
Scorsese
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