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Jack (1996)

 

In der amerikanischen Filmkomödie sind im Lauf der letzten Jahre schon alle Variationen von Schrumpfung, Vergrößerung und andere Möglichkeiten des Eltern/Kind- Rollentauschs durchgespielt worden. Jack greift diese Thematik erneut auf, holt mit Robin Williams und Bill Cosby Amerikas bekannteste Komiker zusammen auf die Leinwand, und doch ist ein Film entstanden, bei dem einem die Tränen nicht nur vor Lachen in die Augen steigen können. Gegenstand der Handlung ist diesmal der kleine Junge Jack, der durch einen Gendefekt äußerlich mit vierfacher Geschwindigkeit altert und als Fünftklässler schon wie ein Vierzigjähriger aussieht, eigentlich aber immer noch ein Kind ist. Ein Drehbuch also, das für Robin Williams eine absolute Paraderolle bereithält. Ohne alberne Übertreibungen und hinreißend gespielt, wirkt er mit seiner sorgfältig einstudierten, zurückhaltend-kindlichen Körpersprache allemal natürlicher als die gestylten 90er-Jahre-Kids, mit denen er es zu tun hat (Seth Smith sahen wir im Musikvideo Ghosts in gleichem Outfit noch neben Michael Jackson agieren). Den schönsten Satz kriegt Cosby (als Jacks Hauslehrer) in den Mund gelegt, als er dessen kurzes Leben, das nach dem Schulabschluß schon im Rentenalter sein wird, mit einer alles überstrahlenden, schnell verglühenden Sternschnuppe vergleicht (dem entspricht das filmische Leitmotiv des Schmetterlings, mit dem Jack immer wieder voller Freude spielt, bis er plötzlich in seiner Hand verstirbt). Wer sich auf diese Art (amerikanische) Sentimentalität einlassen will, der wird einige wunderbare Momente in Jack finden, die nachdenklich stimmen angesichts der schon lange nicht mehr so schön versinnbildlichten Vergänglichkeit des Lebens.

 

Das Titellied wird werbewirksam von Bryan Adams gesungen, außerdem treten noch kurz einige Take 6 - Stars auf; dennoch war der Film ein kommerzielles Desaster. Ganz genau aufpassen muß man, um Charlie Chaplins "Gastauftritt" nicht zu verpassen. Nur Robin Williams aber drückt dem Film seinen ganz eigenen Stempel auf und verleiht ihm dank seines unnachahmlichen Spiels einen besonderen Charme. Dieser und die nicht erst seit dem Kurzfilm Life Without Zoe (New Yorker Geschichten) bekannte märchenhafte Magie Coppolas im Reich der Phantasie ergeben ein einfach schönes, teilweise herzerwärmendes Filmchen - wie ein Moment der Besinnlichkeit in einer lärmumtosten (Kino-)Welt.

 

Johann Georg Mannsperger

 

Dieser Text ist zuerst erschienen in: Jerry's Archiv

 

Jack

USA 1996

R: Francis Ford Coppola D: Robin Williams, Diane Lane

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