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Im Tal von Elah

Im Koran steht die Sage von David und Goliath. Die Bibel weiß es noch genauer. Ins Tal von Elah war es, wohin König Saul seinen kleinen Sohn geschickt hatte, um, ausgerüstet mit einer Schleuder und fünf Steinen, den fürchterlichen Riesen zu besiegen. – Ganz schöne Verantwortung, die solch ein Vater übernimmt. Im Film „Im Tal von Elah“ wird der glückliche Kampf zur Gute-Nacht-Geschichte, einem kleinen Kind erzählt vom Vietnamkriegsveteran Tommy Lee Jones, Patriot, Vater auch er, aber er vermisst seinen Sohn, den er doch in den Irak geschickt hatte zum Kampf gegen den fürchterlichen Terrorismus. Zurückgekehrt ist er. Aber wohin?

 

Ein Vater sucht seinen Sohn. Das ist der Plot. Bei der Suche helfen arg beschädigte Handyaufnahmen aus dem Feindesland sowie Detective Charlize Theron, komplette Frau, aus der Kleinstadt Whiteville bei Memphis, Tennessee. Es läuft etwas schief. Draußen ein wenig foltern, war Fun. Daheim dann jemanden zerlegen und die Brocken den Hunden zum Fraß vorwerfen, war dann auch nicht richtig schlimm. Verantwortlich sind schließlich die Väter. Die jungen Irakkriegsveteranen zeigen Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung.

 

Wir müssen uns bei dieser Zusammenfassung vor Augen halten, dass wir in einem Militärfilm sind und zwei Stunden lang Uniformen sehen. Und: die Soldaten sind vom Private an bis zu den Vorgesetzten - hervorragend das Platoon der vier Kameraden - allesamt prächtige Jungs, gut drauf, frei von Gewissensbissen. Wer unaufhörlich weint und klagt, ist nur Susan Sarandon, Soldatenmutter. Vater Lee Jones, schweigsam den Film hindurch, zieht schließlich das Fazit. Er hisst die Stars and Stripes up and down, also Kopf stehend, und das Tag und Nacht, - etwas sehr Schlimmes, wenn man dem Militär nahe steht. Mehr wird im Film nicht kommentiert, und das ist die innovative politische Strategie der subversiven Affirmation, mit der Autor und Regisseur Paul Haggis („L.A.Crash“) die aktuelle Schlachtordnung (Patrioten gegen Kriegskritiker) unterläuft. Haggis, privat Mitgründer von „Artists for Peace and Justice“, wirbt in seinem Militärfilm für bessere Kriegsführung und verantwortungsvolleren Patriotismus. Die Kollateralschäden treten daheim auf. Die eigenen Davids werden Opfer eines „emotionalen Kriegs“, - Folge des Kampfs: König Saul hatte riskiert und gewonnen. Damals. Und heute? Das liegt auf der Hand, aber der Film sagt es nicht. Gedanken sollen die Väter sich selber machen, auch die in der hintersten Provinz im Fort Budd. Und so, wie Haggis seine Fakten kostümiert und präsentiert, könnten sie auch ins Lager des blinden Patriotismus eindringen und uniformierte Väter erreichen. – Kurz: der Film trägt effektiv zur Irakkriegsdiskussion bei. Im übrigen ist er gut gemacht und gut gespielt. Teilnehmen!

 

Dietrich Kuhlbrodt

 

Dieser Text wurde geschrieben für: Konkret 4/2008

 

Im Tal von Elah

USA 2007 - Originaltitel: In the Valley of Elah - Regie: Paul Haggis - Darsteller: Tommy Lee Jones, Charlize Theron, Susan Sarandon, James Franco, Jonathan Tucker, Frances Fisher - Prädikat: besonders wertvoll - FSK: ab 12 - Länge: 124 min. - Start: 6.3.2008 

 

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