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Der Flug des Phoenix (2004)

 

 

 

Klischee-Crash

 

Es gibt Ideen, die sind nicht totzukriegen. Zum Beispiel die: Ein Flugzeug stürzt im Niemandsland ab, und die Überlebenden nutzen ihre einzige Chance, da herauszukommen, indem sie sich aus den Trümmern ihres Flugzeugs ein neues bauen. Das ist großes Kino nach alter Väter Sitte: Eine kühne Konstellation, eine Idee von atemberaubender Unverschämtheit, Menschen zeigen in Extremsituationen ihr wahres Gesicht, Charaktere prallen aufeinander, es bewegt sich was.

 

Entstanden 1965, hat "Flight of the Phoenix" den Status eines Klassikers, woran dieses Remake ganz sicher nicht rütteln wird. Das Personal ist erwartungsgemäß bunt zusammengewürfelt und wird von fähigen Schauspielern verkörpert, die sich jedoch über weite Strecken vergeblich am schwachen Drehbuch abarbeiten. Denn was vom Stoff her wie ein Abenteuerfilm daherkommt, ist, nein, wäre im Kern ja eigentlich ein Kammerspiel. Doch gerade da ist es fatal, wenn jeder der Beteiligten von Anfang an so grobschlächtig charakterisiert wird, daß für Überraschungen kein Raum mehr ist.

 

Ein Kammerspiel lebt von Abgründen, Widersprüchen, Wendungen; Abenteuerkino lebt von Menschen, die über sich hinauswachsen - aber hier haben wir es mit einem Haufen von mehr oder weniger coolen Klischee-Posern zu tun, die genau das tun, was man von ihnen erwartet. Einzig der von Giovanni Ribisi gespielte Flugzeugkonstrukteur fällt da etwas heraus, wirft aber auch einen Haufen Fragen auf, die in der Welt der Filmhandlung kaum zu erklären sind.

 

Lustig wird's immer da, wo angepackt wird, wo harte Männer ehrliche Arbeit verrichten und die gottverdammte Kiste in die Luft bringen. Da ist der Film bei sich, da hat er unschuldigen Spaß, und der teilt sich dem Zuschauer auch mit. Der Rest nicht so sehr.

 

Dietrich Brüggemann

 

Dieser Text ist zuerst erschienen im:  Schnitt

 

Der Flug des Phoenix

Flight of the Phoenix. USA 2004. R: John Moore. B: Scott Frank, Edward Burns. K: Brendan Galvan. S: Don Zimmerman. M: Marco Beltrami. P: Fox. D: Dennis Quaid, Tyrese Gibson, Giovanni Ribisi u.a. 113 Min. Fox ab 7.7.05

 

 

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