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Elizabeth - Das goldene Königreich

Die Unberührbare

 

Shekhar Kapur ist der bisher einzige Bollywood-Regisseur, der es ins Herz der Hollywood-Filmindustrie geschafft hat. Er war in Indien nicht einmal sonderlich berühmt, hat im Westen aber bewiesen, dass er sich auf den intellektuell oft etwas schwachbrüstigen inszenatorischen Overkill versteht, wie ihn in Bollywood Subash Ghai oder in "Asoka" der Kameramann Santosh Sivan zelebrieren. So legt Kapur in seiner Fortsetzung des Historien-Erfolgs "Elizabeth" auch gleich los, als wollte er sich und die Zuschauer ganz dem Rausch der Bilder überlassen. Luftige Kathedralenblicke von oben, der Pomp der Kostüme und schwellende Musik. Das ist freilich ein Tempo, das sich nicht durchhalten lässt und vor allem bricht sich der Schwung an einer Figur, einem Körper, einer jungfräulichen Königin, bei deren Anblick dem Film die Züge gefrieren: Elizabeth II. (Cate Blanchett).

 

Es hat ein Historienfilm zwei einander entgegengesetzte Optionen: Er kann sich auf seine Treue zu den Fakten, wie die Forschung sie liefert, viel zugute halten. Oder es ist ihm, was einst wirklich geschah, von Herzen egal. Fürs populäre Kino empfiehlt sich allemal letzteres, weil man mit poetischen Lizenzen zwar die Historiker vergrätzt, aber immerhin nicht das breite Publikum langweilt, das es so genau nun wirklich nicht wissen will. "Elizabeth - Das goldene Königreich" wählt allerdings die problematischste Variante, nämlich einen auf die Dauer ganz unentschlossenen Mittelweg. Wie etwa der spanisch-katholische Gegener gezeichnet wird, als halbdebiler Fundamentalistentrupp, hat mit der Wirklichkeit so schrecklich viel nicht zu tun. Auch die Thronkonkurrenz mit der Katholikin Maria Stuart (Samantha Morton) wird so inhaltlich flach abgehandelt wie das Beil scharf ist, das auf ihr Genick irgendwann niedersaust.

 

Andererseits aber geht es dem Drehbuch um das in Theorie und Praxis der Zeit sehr reale Problem, wie sich die zwei Körper der Königin - der menschliche und der des Amtes - zusammenzwingen und zusammenhalten lassen. Die zum Ende des ersten Teils propagierte Jungfräulichkeit der "Virgin Queen" war dabei ein Hilfskonstrukt, das sowohl bei der Frage heiratsdynastischer Bündnispolitik wie erst recht der nach einem Erben des Throns seine hoch bedenklichen Seiten zeigt. Darum soll nun auch die schon über Fünfzigjährige noch immer verheiratet werden - aus der Konfrontation mit einem habsburgischen Bübchen macht der Film eine nicht gerade überwältigend witzige Komödie. Und dann gibt es da noch den Amerikasegler Walter Raleigh (Clive Owen), der zwar zu Ehren der Königin einen Staat im neuen England Virginia taufte, der Ansicht des Drehbuchs nach der Königin dennoch an die Wäsche will.

 

Elizabeth aber bleibt unberührbar. Gerade weil Cate Blanchett dieser Unberührbarkeit so eindrucksvoll Gestalt, Form, Gesicht und auch einmal nackten Körper gibt, zerschellt der Film an dieser Figur, der nur das Spektakel einer atemberaubenden Zusammengenommenheit abzuringen ist. Dadurch aber wird der ganze Kostümaufwand drumherum, wird die ins zweite Glied abgeschobene Liebesgeschichte zwischen Raleigh und der Hofdame, die auch Elizabeth heißt (und von Abbie Cornish gespielt wird), und wird zuletzt sogar die aufwändig am Computer entworfene Schlacht mit der spanischen Armada zu sinnlosem Pomp. Mit der psychologisch und dramaturgisch nicht aufzulösenden Härte, die Blanchett ihrer Figur verleiht und bewahrt, kommt der Film, der sie als Zentrum braucht, nicht zurecht. In diesem Scheitern liegt dann, als Triumph der Darstellerin, seine größte Wahrheit: Diese Elizabeth lässt sich weder an die Katholiken noch an Hollywood verraten.

 

Ekkehard Knörer

 

Dieser Text ist zuerst erschienen bei www.perlentaucher.de

 

Elizabeth - Das goldene Königreich

Großbritannien 2007 - Originaltitel: Elizabeth: The Golden Age - Regie: Shekhar Kapur - Darsteller: Cate Blanchett, Geoffrey Rush, Clive Owen, Abbie Cornish, Samatha Morton, Rhys Ifans - Prädikat: besonders wertvoll - FSK: ab 12 - Länge: 114 min. - Start: 20.12.2007 

 

 

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