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Elbe

Fluss, abwärts

 

„Aber die Elbe könnt ihr mir nicht nehmen“, sagt Gero (Tom Jahn), als ihm sein Obdach, das kleine Segelboot, verpfändet wird. Ihre Jobs als Binnenschiffer haben er und Kowsky (Henning Peker), sein Freund schon vorher verloren. Aber sie können sich nicht trennen vom Fluss und von der Hoffnung darauf, stromabwärts, bei einer Reederei in Hamburg, wieder Arbeit zu finden. Zwischen gescheiterter Ehe und neuer Verliebtheit bleibt die Sehnsucht nach einem Zuhause. Aber in der Kälte der hochgestylten Städte scheint es keinen Platz mehr für Menschen zu geben. In langen, manchmal langatmigen, aber atmosphärischen Bildern erzählt „Elbe“ die kleine Geschichte zweier Mittvierziger, die sich nicht aufgeben, allen Widrigkeiten zum Trotz. Wo es Gero mit Ehrlichkeit versucht, da versucht es Kowsky mit Betrügereien, erfolgreicher, wie es scheint - bis er am Ende für beide alles riskiert. Hier nimmt der Film Fahrt auf und er kann sich nicht mehr entscheiden, was er sein will: Sozial-Drama oder Krimi. Doch irgendwie tut gerade dieser Bruch dem Film gut und ist, wie sich zeigt, kein so großer dramaturgischer Widerspruch in einer Welt, in der Korruption und Semikriminalität offenbar mehr zählen als „ehrliche Arbeit“.

 

Ganz ähnlich wie Helmut Käutners poetisch-melancholischer Binnenschiffer-Film „Unter den Brücken“ von 1945 ist auch Marco Mittelstaedts „Elbe“ ein weitgehend leises Stimmungsbild aus Deutschland geworden. Die Fahrt zweier Freunde mit dem Strom zwischen Dresden und Hamburg ist nicht nur geografisch eine Reise von Ost nach West. Denn nebenbei erzählt der Film auch eine typische Hartz 4-Geschichte über den Verlust von Arbeit, Obdach und Würde, und er steht dabei für unzählige Schicksale (nicht nur) in den Neuen Bundesländern.

 

Andreas Thomas

 

Dieser Text ist ähnlich zuerst erschienen im: Applaus (München)

Zu diesem Film gibt’s im archiv der filmzentrale mehrere Texte   

 

Elbe

Deutschland 2006 - Regie: Marco Mittelstaedt - Darsteller: Henning Peker, Tom Jahn, Steffi Kühnert, Gabriela Maria Schmeide - FSK: ab 6 - Länge: 86 min. - Start: 24.5.2007  

 

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