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Der eiskalte Tod

 

Ein völlig zu Unrecht in Vergessenheit geratenes Kleinod des Paranoia-Kinos, was nicht zuletzt an der, nun, quasi nicht vorhandenen Verfügbarkeit liegen mag. Meines Wissens war dem Film hierzulande lediglich eine (!) Fernsehausstrahlung im ARD–Nachtmittagsprogramm in den Achtzigern vergönnt, nicht mal eine VHS–Edition lässt sich ausfindig machen. Und das ist furchtbar, handelt es sich doch – umso erstaunlicher für eine schnöde TV–Produktion - um ein ungemein intensiv und wirklich beklemmend daher kommendes Kammerspiel, angesiedelt in den unzugänglichen Weiten der Schneewüste Alaskas. Dorthin verschlägt es das zweiköpfige Wissenschaftlerteam Robert Jones und Frank Enari, um den Umständen des mysteriösen Todes ihres Vorgängers, der allein und fernab jedweden Kontakts zur Außenwelt, vom Funkgerät mal abgesehen, in einer kleinen Forschungsstation mit Verhaltensexperimenten an einer Schar Schimpansen beauftragt war, auf den Grund zu gehen, vordergründig jedoch an seine gewonnenen Erkentnisse anzuknüpfen. Schon bald stellt sich heraus, dass die mutmaßlich durch langwierige Isolation hervorgerufene Geistesverwirrung unmöglich zum vermeintlichen Suizid geführt haben kann. Der Verdacht auf Mord erhärtet sich zunehmend und schürt zugleich Zwietracht unter den beiden sich fortschreitend mit Skepsis begegnenden Forschern. Langsam stellt sich die Frage, ob die Wissenschaftlicher ihrer Position gerecht werden und nicht mehr als die Spielbälle eines Experiments sind, in dem die Affen eine maßgebliche Rolle spielen...

 

Der monotone, fast atonale Score, der in seinen besten Momenten an John Carpenter denken lässt (wie schon das gesamte Setting einer Vorwegnahme seiner neun Jahre später realisierten The Thing-Variante gleichkommt) und die simple, geradewegs asuspensische, aber höchst effektive Struktur des Plots, die dem Zuschauer nie mehr verrät als die Figuren selbst zu wissen glauben, erzeugen ganz unaufdringlich ein Höchstmaß an unheimlicher Atmosphäre. Das Geschehen beschränkt sich ausnahmslos auf die Ereignisse innerhalb der Polarstation und nur wenige Außenaufnahmen des von meterhohen Schneemassen bedeckten Refugiums legen Kunde davon ab, dass eine Flucht angesichts der immer obskurere Züge annehmenden Ereignisse schier unmöglich ist - was auch die sich steigernden Paranoiaschübe der Protagonisten unterstreichen. Deren Konflikt ist angelegt als ein Disput zwischen Ratio und Gefühl: Frank kapituliert vor den Ungereimtheiten der Begleitumstände des Selbstmordes seines Kollegen durch einen umso zwanghafteren Dienst an seinem Forschungsauftrag, weil er die Widersprüche des Tathergangs in seinem auf kausalistischer Logik beruhenden Denksystem nicht duldet, wohingegen sich Robert um so unermüdlicher in kontrafaktischen Methoden versucht, um darüberhinaus seine Arbeit zu vernachlässigen.

 

Die Spannung steigert sich mit seinen Erkenntnisfortschritten und das Resultat ist einer der spannendsten Genrehopper, denn viele Sequenzen unterliegen eher der Spielart des Psychothrillers, als dass sie den Mustern genuiner Horrorfilme folgten, die in dieser Dekade entstanden sind. Seine Verwandschaft zum zeitgleich entstandenen Phase IV ist unübersehbar.

 

Sven Jachmann

 

Dieser Text ist zuerst erschienen bei: http://fixpunkte.twoday.net

 

Der eiskalte Tod

A COLD NIGHT'S DEATH

USA - 1973 - 73 min. - Verleih: offen - Erstaufführung: 13.9.1986 ARD - Produktionsfirma: Spelling-Goldberg - Produktion: Aaron Spelling

Regie: Jerrold Freedman

Buch: Christopher Knopf

Kamera: Leonard J. South

Musik: Gil Melle

Darsteller:

Robert Culp (Robert Jones)

Eli Wallach (Frank Enari)

Michael C. Gwynne (Val Adams)

 

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