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Ein Fisch namens Wanda

 

1988 drehte Regisseur Charles Crichton (1910-1999), der vor allem durch TV-Serien, aber auch durch den Film »Das Glück kam über Nacht« (»The Lavender Hill Mob, 1951 mit Alec Guinness) bekannt wurde, diese schwarze Komödie, an deren Drehbuch er zusammen mit Monty-Python-Star John Cleese arbeitete.

 

Der humorlose, bierernste George (Tom Georgeson), die femme fatale Wanda (Jamie Lee Curtis), der stotternde Ken (Ex-Monty-Python Michael Palin) und der schräge Otto (Kevin Kline), den Wanda vor George für ihren Bruder ausgibt, planen einen Millionen-Coup. Juwelen sollen ihnen das Leben versüßen. Der Raubüberfall auf die entsprechende Bank funktioniert auch reibungslos. Die Gangster entkommen, und auf der Flucht fahren sie lediglich eine alte Dame, Mrs. Coady (Patricia Hayes) und ihre drei Schoßhündchen fast über den Haufen. Doch die schimpft nur, wie sie dies regelmäßig tut, wenn ihr und ihren drei Kleinen jemand über die Füße läuft, tritt oder fährt.

 

Die Viererbande jedenfalls verstaut ihre Beute in einem Versteck und alles scheint seinen guten Ausgang zu nehmen. Doch George treibt sein eigenes Spielchen. Er geht heimlich zum Versteck zurück, um die Beute zu holen und an einem Ort zu platzieren, den nur er kennt. Er traut Wandas Bruder nicht über den Weg. Und Wanda? Die liebt nicht George und Otto ist nicht ihr Bruder, sondern Zweck-Geliebter: über ihn will sie die Beute selbst in die Finger bekommen, um Otto, der glaubt, Wanda würde ihn lieben, letztlich wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen. Otto informiert anonym die Polizei und verpfeift George, der daraufhin festgenommen wird. Als Otto und Wanda dann jedoch den leeren Tresor vorfinden, muss Wanda zunächst darauf verzichten, sich des großspurigen Otto per Mord zu entledigen.

 

Was tun? Wanda setzt alle ihre Verführungskünste ein, um über Georges Anwalt, den steifen Briten Archie (John Cleese) an Informationen zu kommen, wo George die Beute versteckt hat. Der jedoch vertraut nur Ken, dem er den Schlüssel für ein Schließfach überreicht. Ken versteckt den Schlüssel im Aquarium zwischen seinen geliebten Fischen, wobei ihn Wanda heimlich beobachtet. Sie entwendet den Schlüssel, aber niemand außer George weiß, zu welchem Schloss er passt. Anwalt Archie weigert sich, mit Wanda über den Fall zu sprechen, weil ihm das als Prozessbeteiligter verboten ist; Wanda ist schließlich Zeugin im Verfahren gegen George. Schlafen möchte er natürlich gern mit Wanda, denn die Ehe mit seiner Frau Wendy (Maria Aitken) ist ebenso stocksteif verkrustet wie seine anerzogenen britischen Manieren. Frust not Lust.

 

Ken bekommt von George zu allem Überfluss auch noch den Auftrag, die lästige Zeugin Mrs. Coady zu beseitigen, die George nach dem Banküberfall gesehen hatte. Doch Ken trifft anfänglich lediglich ihre Hündchen, von denen eines nach dem anderen das Zeitliche segnen.

 

Keine guten Aussichten für niemanden, die Beute in die Finger zu bekommen ...

 

Die irrwitzige und makabre Komödie, die Crichton und Cleese 1988 in Szene setzten, ist zwar nicht ganz so schwarz-humorig wie die Filme der Monty-Python-Truppe. Aber es ergießt sich doch ausgiebig ordentlich-unordentlicher Sarkasmus über britische und amerikanische Mentalitäten. Angefangen mit Cleese und Palin, die englische Macken und vornehme Arroganz so richtig durch den Kakao ziehen. Palin etwa trauert in der Figur des Ken um jeden Hund, der durch ihn versehentlich getötet wird, wo er doch Mrs. Coady ins Jenseits befördern will. Als die beim Tod ihres letzten Hündchens an einem Herzanfall stirbt und etliche Menschen auf der Straße um sie herum stehen und sie bedauern, fängt Ken an zu lachen und sich zu freuen.

 

Dem gegenüber steht der dümmliche, extrem eifersüchtige, große Philosophen zitierende, aber in keiner Weise verstehende Otto, der keine Ahnung hat, was eigentlich von wem gespielt wird, und durch seine Dämlichkeit so ziemlich alles vermasselt, was vermasselt werden kann. Ja, und dann ist da noch Jamie Lee Curtis als femme fatale, die skrupellos alle erotischen Register zieht, um sämtliche Männer so richtig hinters Licht zu führen.

 

Es entstehen die irrwitzigsten Situationen: Ken wird mit Pommes Frites in den Nasenlöchern gefoltert. Archie steht unvermittelt plötzlich nackt vor einer englischen Familie – und versucht Haltung zu bewahren. Und Ignoranz, Großspurigkeit und Engstirnigkeit von Otto, dem Amerikaner, führen in die absurdesten Situationen – bis zum Showdown am Flughafen, wo eine Dampfwalze, eine Tonne mit dreckiger Brühe und natürlich die Diamanten eine Rolle spielen ...

 

Hier nur einige wenige Dialoge aus dem Film, die besonders gut gelungen sind:

 

Wanda zu Otto: To call you stupid would be an insult to stupid people! I've known sheep who could outwit you. I've worn dresses with higher IQs, but you think you're an intellectual, don't you, ape?

Otto: Apes don't read philosophy.

Wanda: Yes they do, Otto, they just don't understand it!

 

Wanda: Let's make love.

Archie: Well, if you absolutely insist...

 

Archie: I used to box for Oxford.

Otto: I used to kill for the CIA.

 

Wanda: I want you to know something Otto.

Otto: What?

Wanda: Even if you were my brother I'd still want to fuck you.

 

Airline Employee: Aisle or window, smoking or non?

Otto: What was the part in the middle?

 

Wanda: The central message of Buddhism is not »every man for himself«!

 

Ein munteres, engagiert auftretendes und gut aufgelegtes Schauspielerensemble machte neben Regie und Drehbuch »Ein Fisch namens Wanda« sicherlich zu einer schon fast klassischen Köstlichkeit auf dem Gebiet der schwarzen Komödie, die sich über alle Konventionen mit gespielter Brutalität, Sadismus und makabrem Humor hinwegsetzt.

 

Ulrich Behrens

 

Dieser Text ist zuerst erschienen bei CIAO.de

 

Ein Fisch namens Wanda

[A Fish Called Wanda] USA 1988

Laufzeit: 108

Drehbuch: John Cleese, Charles Crichton

Regie: Charles Crichton

Darsteller: John Cleese, Jamie Lee Curtis, Kevin Kline, Michael Palin, Maria Aitken, Tom Georgeson, Patricia Hayes, Geoffrey Palmer, Cynthia Cleese

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