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Duell
in der Sonne
Quick
to blossom and early to die
In
den einsamen Bergen von Texas (erzählt uns kein anderer als Orson Welles
in der englischen Fassung des Films) steht ein riesiger Felsen, den die Indianer
wegen seines Aussehens Frauenkopffelsen (Squaw’s Head Rock) nennen. Die Komantschen
erzählen sich die Legende von einem Liebespaar, das sich dort ein letztes
Mal getroffen hat und seitdem verschwunden ist. Dort, wo eine Frau einst verschwand,
blüht eine Blume, die nirgends sonst zu finden ist. Die Geschichte ist
die von Pearl, einer jungen Frau, die viel zu früh starb, und ihrem Liebhaber,
einem Outlaw, mit dem sie Himmel und Hölle erlebte.
Mit
diesem Bild des Squaw’s Head Rock beginnt ein von David O. Selznick produzierter
Film, bei dem kein anderer als der große King Vidor Regie führte,
der so wunderbare Filme drehte wie „Der Zauberer von Oz“ (1939, mit Judy Garland),
„Nordwest-Passage“ (1940 mit Spencer Tracy) oder „Krieg und Frieden“ (1956,
mit Audrey Hepburn, Henry Fonda und Mel Ferrer). Viel Ärger im Vorfeld
zwischen dem alles kontrollieren wollenden Selznick und Vidor führten dazu,
dass weitere sechs Regisseure mit dem Film befasst waren, die in der Endfassung
dann aber nicht genannt wurden, sowie drei Directors of Photography. Die weibliche
Hauptrolle spielte Selznicks spätere Frau Jennifer Jones. Ursprünglich
sollte der Film „Lust in the Dust“ heißen, also „Begierde im Staub“, und
tatsächlich offenbart der Film einige Freiheiten in der Inszenierung und
der Charakterdarstellung, die für die damalige Zeit gewagt waren.
•
I N H A L T •
Scott
Chavez (Herbert Marshall) ist zum Tode verurteilt. Er hat seine Frau, eine Indianerin
(Tilly Losch), und deren Geliebten (Sidney Blackmer) ermordet. Seine Tochter
Pearl (Jennifer Jones) beobachtete die Szene von der Straße aus, hörte
die Schreie und die Schüsse. Chavez, der sich mit seinem Schicksal abgefunden
hat, schickt Pearl zu seiner früheren Geliebten, Laura Belle McCanles (Lillian
Gish), und hofft, dass Pearl durch sie zu einer Lady erzogen wird. Laura Belle
ist mit Senator Jackson McCanles (Lionel Barrymore), einem reichen Rancher,
verheiratet, der seit Jahren nach einem Reitunfall an den Rollstuhl gefesselt
ist. Die McCanles haben zwei erwachsene Söhne, den Rumtreiber und Frauenheld
Lewt (Gregory Peck), und den ehrbaren Jesse (Joseph Cotten), der Pearl abholt
und zur Spanish Bit Ranch seiner Familie bringt.
Während
Laura Belle Pearl wohlwollend und liebevoll aufnimmt, ist der Senator über
die Ankunft der Squaw wenig begeistert. Ihr Name sei Pearl? „Sie hätten
dich lieber Pocahontas oder Minnie-ha-ha nennen sollen!“ Jesse hingegen schließt
die junge Frau sofort in sein Herz. Sein Bruder Lewt dagegen sieht in ihr nur
eine weitere Geliebte, mit der er machen kann, was er will. Pearl wehrt sich
anfangs gegen die Aufdringlichkeit Lewts, doch dann gibt sie seinem Drängen
nach und wird seine Geliebte.
Der
Senator hat andere Probleme. Die Eisenbahngesellschaft will Schienen über
seinen Grund und Boden verlegen und hat dafür die Erlaubnis der Regierung.
McCanles hasst die Eisenbahn als Ausdruck einer neuen Ökonomie, fürchtet
um seinen Einfluss und meint, die Eisenbahn würde allerlei „Gesindel“ nach
Texas bringen. Jesse dagegen stellt sich, als es zur Auseinandersetzung mit
dem Präsidenten der Eisenbahngesellschaft Mr. Langford (Otto Kruger) und
dem Anwalt Lem Smoot (Harry Carey) kommt, gegen seinen Vater, der ihn darauf
verstößt. Als Jesse bemerkt, dass sein Bruder und Pearl immer wieder
zusammenkommen, wendet er sich von Pearl ab. Als Pearl verzweifelt ist, weil
Lewt sie wieder einmal beleidigt und sich weigert, sie zur Frau zu nehmen, nimmt
sie das Angebot des neuen Futtermeisters auf der Ranch, Sam Pierce (Charles
Bickford), der wesentlich älter ist als sie, an, ihn zu heiraten. Doch
Lewt kann das nicht ertragen, erschießt Pierce und flüchtet mit Hilfe
seines Vaters. Nicht nur das: Er sprengt einen Zug mit explosiver Ladung in
die Luft, um seinem Vater im Kampf gegen die Eisenbahngesellschaft zu helfen
...
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I N S Z E N I E R U N G •
„Duel
in the Sun“ ist ein klassischer Western – aber nicht in erster Linie. Denn –
trotz aller Differenzen zwischen Produzent und Regisseur – gelang Vidor ein
episches Drama, für das das Genre des Westerns nur das Transportmittel
abgab und das einen Vergleich mit dem Klassiker Victor Flemings „Gone with the
Wind“, 1939 ebenfalls von Selznick produziert, oder etwa mit Richard Brooks
„Die Katze auf dem heißen Blechdach“ (1958) durchaus standhält.
Im
Zentrum der Geschichte steht zum einen eine Frau, deren Charakter sowohl von
der Laszivität ihrer Mutter, als auch von der Ehrbarkeit ihres Vaters bestimmt
zu sein scheint. So schwankt sie zwischen den so unterschiedlichen Brüdern
Lewt und Jesse, in denen sich die Charakterzüge ihrer Eltern wiederzufinden
scheinen. Zum anderen verknüpft sich die Geschichte zwischen diesen drei
Personen mit der Familiengeschichte der McCanles: Der Senator ist ein starrköpfiger,
verbitterter, jeder neuen Entwicklung trotzender Mann, der keine Abweichungen
von der Norm – seiner Norm – duldet. Immer wieder stellt er sich vor seinen
Sohn Lewt, während er Jesse verstößt. Viel zu spät erkennt
er die Tragödie seines eigenen Lebens, deren Ausgangspunkt die blinde Eifersucht
des Senators gegenüber Pearls Vater war. Die hilflose, später schwer
krank werdende Mutter Laura Belle steht ohnmächtig den Konflikten der Familie
gegenüber und hat auf ihren Mann längst keinen Einfluss mehr.
Jennifer
Jones spielt eine Frau, die sich von Lewt immer wieder angezogen fühlt.
Der Film macht kein Hehl daraus, dass es sich hier vor allem um sexuelle Anziehung
handelt – eine zu dieser Zeit gewagte Darstellung in einem Film. Andererseits
bewundert sie die Ehrlichkeit, Vernunft und Güte Jesses, dem sie angesichts
ihrer zwanghaften Beziehung zu Lewt jedoch nicht folgen kann.
„Duel
in the Sun“ lässt zudem an der Religion nicht viel Gutes. Als Laura Belle
einen Pfarrer, der als Sündenaustreiber (Walter Huston) fungiert, bestellt,
um Pearl vor den Verführungen des Lebens zu bewahren, schenkt er ihr eine
Art Amulett, das sie schützen soll. Kurze Zeit später wirft Lewt es,
als die beiden in einem nahe gelegenen See baden, ins Wasser. Nichts bestimmt
das Schicksal der Handelnden weniger als die Religion. Die nie gelösten,
tief sitzenden Konflikte der Personen enden in einer Katastrophe – für
Lewt und Pearl am Squaw’s Head Rock, für den Senator in der Erkenntnis,
das er in seinem Leben nur Fehler gemacht hat, und Laura Belle stirbt im Bewusstsein,
einen Sohn ganz verloren, den anderen nie wieder gesehen zu haben.
•
F A Z I T •
„Duel
in the Sun“ ist ein epischer Western der Trostlosigkeit, der Verstrickung der
Charaktere in ungelöste Konflikte, wobei die Inszenierung auf Pathos weitgehend
und auf Rührseligkeit vollständig verzichtet. Jennifer Jones, Cotten,
Barrymore in einer Altersrolle und Lilian Gish liefern Glanzleistungen. Gregory
Peck ist hier in einer ungewöhnlichen Rolle zu sehen, nicht in der des
makellosen Helden, sondern des verlorenen Sohnes in einer Kain-und-Abel-Geschichte
mit Joseph Cotten als Gegenpart.
Wertung:
10 von 10 Punkten.
Ulrich
Behrens
Diese
Kritik ist zuerst erschienen bei: ciao.de
Duell
in der Sonne
(Duel
in the Sun)
USA
1946, 138 Minuten
Regie:
King Vidor (Otto Brower, William Dieterle, Sidney Franklin, William Cameron
Menzies, David O. Selznick, Josef von Sternberg)
Drehbuch:
Oliver H. P. Garrett, Ben Hecht, David O. Selznick, nach dem Roman von Niven
Busch
Musik:
Dimitri Tiomkin, Stephen Foster, Allie Wrubel
Director
of Photography: Lee Garmes, Ray Rennahan, Harold Rosson
Produktionsdesign:
J. McMillan Johnson
Darsteller:
Jennifer Jones (Pearl Chavez), Joseph Cotten (Jesse McCanles), Gregory Peck
(Lewton „Lewt“ McCanles), Lionel Barrymore (Senator Jackson McCanles), Lillian
Gish (Laura Belle McCanles), Herbert Marshall (Scott Chavez), Walter Huston
(Der Sündenaustreiber), Charles Bickford (Sam Pierce), Harry Carey (Lem
Smoot, Anwalt), Joan Tetzel (Helen Langford), Tilly Losch (Frau Chavez), Butterfly
McQueen (Vashti), Scott McKay (Sid), Otto Kruger (Mr. Langford, Präsident
der Eisenbahngesellschaft), Sidney Blackmer (Liebhaber von Frau Chavez), Charles
Dingle (Sheriff Hardy)
Internet
Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0038499
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