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Candy (1968 USA/I)

Die US-amerikanische Sex-Farce von 1968,  „Candy“, bettet sich, ohne zu fragen, zwischen Avantgarde („Dog Star Man“, Stan Brakhage, 1964) und SF-Meisterwerk („2001: Odyssee im Weltraum“, Stanley Kubrick, 1968). Das behauptet jedenfalls der australische Hochschullehrer Constantine Verevis im europäischen Winter 2002, der zugleich der australische Sommer ist.

 

Spezialisten haben sich heute der „Candy“ von 1968 angenommen, die sich 1969, gleich nach dem Start in der BRD, völlig eindeutig in „Sexy-Ladies“ umbenannt hatte. Und in der Tat ging es um den Kosmos sexueller Erfahrungen, den eine junge hippe schwedische Ex-Schönheitskönigin ungeniert genießt. Musik: The Byrds, Steppenwolf. Männliche Partner erster Sahne: Marlon Brando, Richard Burton, Charles Aznavour, James Coburn, John Huston, Walter Matthau, Ringo Starr.

 

Ein Bombenerfolg? Iwo. Der Film floppte. Lag es bei uns am katholischen „Filmdienst“, der „ordinäre Geschmacklosigkeiten“ ausmachte? Lag es am deutschen Mann, der sich durch die Parodie auf den Sexrummel der Sechziger verarscht fühlte? Oder am prüden US-Bürger im Bibelgürtel? Wir werden das beurteilen können, wenn wir den Film im Liebessommer 2007 besichtigen. Das empfiehlt „Village Voice“ (New York) 2007. Ein mystischer Wind zaust den Film hindurch an Burtons Haaren, bis er denn endlich die Candy sowie seine Haarpracht flachlegt. Vor allem aber ist jetzt auch für die USA oder doch für New York und eventuell für uns alle die Zeit reif, es zu würdigen, wie „Candy“ amerikanische Männlichkeit vorführt: getrieben von infantilen Obsessionen („Village Voice“).

 

Demnach dürfen wir erwarten, dass „Candy“ heute ein Doppelspiel treibt. Der Film parodiert die Zeit der Love-ins, und er hält der Kruke Mann das Spiegelbild vor. – Obs funktioniert?

 

 

Dietrich Kuhlbrodt

 

 

Dieser Text ist zuerst erschienen im arte–Magazin

 

Candy (1968, USA/I)

CANDY

Sexy-Ladies

USA / Italien - 1968 - 101 min. Erstaufführung: 14.3.1969 - Produktion: Robert Haggiag

Regie: Christian Marquand

Buch: Buck Henry

Vorlage: nach einem Roman von Terry Southern und Mason Hoffenberg

Kamera: Giuseppe Rotunno

Musik: Dave Grusin

Schnitt: Frank Santillo

Special Effects: Douglas Trumbull, Augie Lohman

Darsteller:

Ewa Aulin (Candy)

Marlon Brando (Grindl)

Richard Burton (McPhisto)

Charles Aznavour (Hunchback)

James Coburn (Dr. Krankeit)

John Huston (Dr. Dunlap)

Walter Matthau (General Smight)

Ringo Starr (Emmanuel)

 

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