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Blues Brothers

Einer der wenigen Kult-Klassiker, die hier und da immer wieder die Kinoleinwände zieren, ist sicherlich »Blues Brothers«. Das, was John Landis (»American Werewolf«, 1981) 1980 in Szene setzte, sprießt nur so vor Leben, Musik, (harmloser) Zerstörungswut, Humor und Action.

 

Jake (John Belushi) und Elwood (Dan Aykroyd) wollen um alles in der Welt ihre alte Band wieder zusammenbringen. Denn das Haus, in dem sie geboren sind und in dem Schwester Mary Stigmata (Kathleen Freeman) wohnt, soll abgerissen werden, weil hohe Steuerschulden auf ihm lasten. Die beiden Halunken – Elwood hat gerade mal wieder seinen Bruder aus dem Gefängnis abgeholt – haben Schwester Mary versprochen sich zu bessern, und nun ist die Gelegenheit da: In Gegenwart von Reverend Cleophus (James Brown) kommt den beiden der Einfall, mit ihrer alten Band die nötige Summe zu verdienen, um die Schulden abzutragen.

 

Gesagt, getan? So einfach ist das nicht, denn die Bandmitglieder sind in alle Winde verstreut; Matt Murphy (Matt Murphy) arbeitet mit seiner Frau (Aretha Franklin) in einem Café und die ist wenig davon angetan, dass er alles stehen und liegen lassen will. Die anderen Ex-Bandmitglieder spielen in einer Bar, einer arbeitet als Kellner. Und als Jake und Elwood dann doch einen nach dem anderen einsammeln, gerät ihr Plan durch andere in Gefahr: Die Polizei verfolgt sie, eine dämliche Country- und Westerntruppe macht ihr das Leben schwer, ebenso dümmliche Nazis haben es auf sie abgesehen und last but not least versucht Jakes Ex-Freundin, ihn aus Rache in die Luft zu jagen. Der Weg bis zum Beamten der Stadtverwaltung (Steven Spielberg) ist also noch weit ...

 

»Blues Brothers« ist eine geniale, explosive Mischung aus Action pur und Musik. Eine ganze Schar von Größen der Musikszene tobt sich in einem Mix aus Road Movie, Komödie und Actionfilm unablässig durch gute zwei Stunden Kinovergnügen. Sie alle sind »on a mission from God«, vor allem aber John Belushi und Dan Aykroyd. Ob beide nun »Rawhide« oder das Legende gewordene »Everybody needs somebody to love« intonieren, Aretha Franklin ihr »Think« feil bietet oder Cab Calloway auf der Bühne »Minni The Moocher« zum Besten gibt: als Zuschauer reißt es einen auf jeden Fall vom Hocker.

 

Dabei ist die Geschichte so spannend in Szene gesetzt, dass man bis zum Schluss befürchten muss, dass Jake und Elwood es wohl doch nicht ganz schaffen, obwohl man ahnt, dass die Story gut endet.

 

Eingestreut in den Film sind aber auch Szenen, in denen man über nicht ungefährliche, aber eben doch dämliche Neonazis – deren Protagonisten samt ihrer Ideologie ins Wasser fallen – ebenso herzlich lachen kann wie über eine geleimte Country & Western-Band, die Rache üben will und dabei unsäglich scheitert. Denn Jake und Elwood lassen sich von nichts und niemandem hindern, die nötigen 5.000 $ aufzutreiben. Sie hinterlassen ein Bild der Zerstörung – und des Erfolgs.

 

 »Blues Brothers« setzte vor gut 20 Jahren Maßstäbe, die selten wieder erreicht worden sind. Die Stars erstrahlen im Glanz ihrer Musik und sind dem Leben wie dem Zuschauer in ihrem Rhythmus und Feeling so nahe, wie ich es in keinem Film bis heute wieder erlebt habe. Ein Film, der im wahrsten Sinn des Wortes lebt, pulsiert, ohne Stillstand, ohne Pause, ohne Aufatmen, beinahe wie eine Fahrt mit der Achterbahn, es zischt an allen Ecken und Enden, alles droht aus den Nähten zu platzen, eine Explosion über zwei Stunden.

 

Ulrich Behrens

 

Dieser Text ist zuerst erschienen bei CIAO.de

 

Blues Brothers

[The Blues Brothers] USA 1980

Laufzeit: 133

Regie: John Landis

Darsteller: John Belushi, Dan Aykroyd, James Brown, Cab Calloway, Ray Charles, Aretha Franklin, Steve Cropper, Donald Dunn, Murphy Dunn, Willi Hall, Tom Malone, Lou Marini, Matt Murphy, Alan Rubin, Carrie Fisher, Steven Spielberg, Kathleen Freeman

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