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American Graffiti

 

Let's Go to the Hop, oh baby ...

  

„Well, you can rock it you can roll it

You can stop and you can stroll it at the hop

When the record starts spinnin'

You chalypso [1] when you chicken at the hop

Do the dance sensation that is sweepin'

the nation at the hop

Ah, let's go to the hop ...“[2]

 

Viele kennen den Namen George Lucas nur im Zusammenhang mit der legendären Star-Wars-Reihe, die noch immer nicht abgeschlossen ist; der letzte Teil der Saga wird 2005 in die Kinos kommen. „American Graffiti“ war der Film, dessen (finanzieller) Erfolg Lucas vier Jahre später die Realisierung des ersten Teils des Kriegs der Sterne ermöglichte. „American Graffiti“ erzählt weniger eine Geschichte. Lucas zeichnet vor dem Hintergrund seiner eigenen Jugend ein lebendiges, opulentes Gemälde der Vor-Beatles-Ära, der Zeit Anfang der 60er Jahre, als Kennedy noch lebte und die Mauer in Berlin noch nicht gebaut war, als der Rock'n'Roll die letzten Winkel Amerikas erreichte. 1963 war Lucas 19 Jahre alt. Die Darsteller des Films waren 1973 zwischen 31 (Harrison Ford, in einer Nebenrolle) und 19 (Ron Howard).

 

School's out. Vier Freunde in Kalifornien. Curt (Richard Dreyfuss) ist sich unsicher, ob er tatsächlich auf das College gehen soll. Er will eigentlich lieber bleiben, in seiner vertrauten Umgebung und bei seinen Freunden. Sein Freund Steve (Ron Howard) ist entsetzt. Wenn Curt nicht aufs College gehe, würde er wie John (Paul Le Mat) enden und mit 70 noch so sein wie mit 17. Steve ist einer jener konservativen Durchschnittsamerikaner, Curt ist ein eher nachdenklicher, kritischer Zeitgenosse. John hat die High School schon vor einiger Zeit verlassen. Er lebt in den Tag hinein. Der vierte im Bunde ist der Vespa-fahrende, im Vergleich zu den anderen nicht besonders gut aussehende Brillenträger Terry (Charles Martin Smith), den alle „The Toad“ (die Kröte) nennen. John fährt einen 32er Ford, Steve einen 58er Chevy Impala.

 

Wir beobachten die vier Männer und einige andere eine Nacht lang. Steve ist mit Curts Schwester Laurie (Cindy Williams) befreundet – und stößt sie mit der Bemerkung vor den Kopf, bevor er am nächsten Morgen die Stadt verlasse und aufs College gehe, sollten sich beide darauf verständigen, dass es niemand von beiden verletzen werde, wenn man – solange man nicht zusammen sei – andere Leute kennen lerne. Das könne ihre Beziehung doch nur stärken ...

 

Steve vertraut derweil seinen Chevy für seine Abwesenheit bis Weihnachten Terry an, der darüber mehr als erfreut ist. So hat er endlich Gelegenheit, nach Mädchen Ausschau zu halten. Denn ohne einen solchen Schlitten fiel ihm das bisher äußerst schwer. Terry gibt an. Und hat schließlich Erfolg bei der blonden Schönheit Debbie (Candy Clark), mit der er spazieren fährt. Der Trick: Sie sehe aus wie Connie Stevens, sagt er ihr. Doch schon bald muss Steve eine herbe Enttäuschung erleben. Als er sich mit Debbie in die Büsche schlägt, stiehlt man ihm Steves Auto ...

 

„You can swing it you can groove it

You can really start to move it at the hop

Where the jockey is the smoothest

And the music is the coolest at the hop.

All the cats and chicks can get their

kicks at the hop.

Let's go!“

 

John hat in seinem gelben Superwagen allerdings weniger Glück bei Frauen. Als er ein paar Mädchen in einem anderen Auto anmacht, schicken die ihm die 13-jährige Carol (Mackenzie Philips), die sich wenig später heftig darüber beklagt, erst von ihren Eltern, dann von ihrer Schwester und jetzt auch noch von John abgewiesen zu werden. Missmutig nimmt er das Küken mit, das sich allerdings ducken muss, damit er nicht mit ihr gesehen wird ...

 

Curt gerät derweil in die Fänge einer Bande mit Namen „Pharaos“, Joe (Bo Hopkins), Ants (Beau Gentry) und Carlos (Manuel Padilla), die ihn in ihren Wagen zwingen und später dazu benutzen, zwei Männer abzulenken, während die Gang die Einnahmen von Spielautomaten raubt ...

 

„Deep down in Louisiana

close to New Orleans

Way back up in the woods

among the evergreens

Stood a log cabin made

of earth and wood

Where lived a country boy

named Johnny B. Goode

Who never learned

to read or write at all

But he could play the guitar

just like ringing a bell

Go, go, go Johnny go, go, go Johnny, go go

Go Johnny go, go, go Johnny go go

Johnny B. Goode.“ [3]

 

„American Graffiti“ ist eine Mischung aus nostalgischer Erinnerung, Road-Movie und sanftem Jugenddrama. Der Film spielt in einer einzigen Nacht, vor allem in Autos und um Autos herum. Lucas überzog den Film mit einem Soundtrack, bestehend aus über 40 Rock'n'Roll-Hits, die teilweise von dem legendären Outlaw und DJ Wolfman Jack angekündigt werden. Bühnenbild, Kostüme, Musik, Autos, Geschäfte, Bars usw. vermitteln en detail den Stil der Zeit. „American Graffiti“ bietet eine Art Sittengemälde der amerikanischen Jugend Anfang der 60er Jahre, zur Blütezeit des Rock'n'Roll. Zehn Jahre später, als der Film gedreht wurde, hatte sich einiges geändert: Beatles, Stones, Hard Rock, Hendrix, Joplin, Woodstock, aber auch: Studentenrevolten, Anti-Vietnamkriegs-Proteste, die harte Reaktion des damaligen Gouverneurs von Kalifornien Ronald Reagan auf die Proteste, vorher die Ermordung der Kennedys und Martin Luther Kings.

 

„American Graffiti“ spielt sozusagen am Vorabend dieser Ereignisse, fast könnte man in der Retrospektive sagen, am unschuldigen Vorabend der darauf folgenden schmutzigen Zeit bis zum Sturz Nixons und dem CIA-unterstützen Putsch der Generäle in Chile. „American Graffiti“ ist die trügerische Ruhe vor dem Sturm der zweiten Hälfte der 60er Jahre, das „Pleasantville“ (USA 1998) vor der „Apocalypse Now“ (USA 1979). Für Lucas und seine Generation sicherlich eine nostalgische Reminiszenz, vielleicht auch ein bisschen Verklärung der eigenen, zwar nicht unproblematischen, aber dennoch glücklichen Jugendjahre, in die die Ermordung John F. Kennedys einen Keil treibt und die von sich schon immer überzeugte Nation für Jahre spaltet, mit Folgen, von denen sich die USA bis heute nicht erholt haben.

 

„His mama told him

'someday you will be a man

And you will be the

leader of a big band

Many people coming

from miles around

To hear your playing

music when the sun goes down

Maybe someday you will be

in lights saying Johnny B. Goode'“ [3]

 

„American Graffiti“ – noch surfen die Beach Boys „Surfin' Safari“ und „The Platters“ schluchzen „Only You“. Sechs Jahre später „befreien“ sich Tausende in Woodstock bei Drugs & Sex und Jimi Hendrix verpasst der amerikanischen Nation eine besonders verzerrte Version ihrer Nationalhymne „Star Spangled Banner“. Dieser Zeitunterschied und erst recht der zu heute lassen „American Graffiti“ zu einem rauschenden Erlebnis, einer sentimentalen, aber dennoch nicht kitschigen Erinnerung für diejenigen werden, die von dieser Zeit selbst etwas oder sogar viel miterlebt haben.

 

Wertung: 10 von 10 Punkten.

Ulrich Behrens (25.06.2003)

 

Dieser Text ist zuerst erschienen unter dem Namen POSDOLE bei: www.ciao.de   

 

[1] Bedeutet: Cha-Cha tanzen zu Calypso-Musik.

[2] „At the Hop“: Text und Musik Arthur Singer, John L. Medora, and David White; im Film gesungen von Flash Cadillac and the Continental Kids

[3] „Johnny B. Goode“: Text und Musik Chuck Berry

 

 

 

 

American Graffiti

(American Graffiti)

USA 1973, 110 Minuten

Regie: George Lucas

 

Drehbuch: George Lucas, Gloria Katz

Musik: Sherman Edwards, Booker T. Jones, Chuck Berry, Buddy Holly u.a.

Director of Photography: Jan D'Alquen, Ron Eveslage

Schnitt: Verna Fields, Marcia Lucas, George Lucas

Produktionsdesign: Dennis Clark, Doug Freeman

Hauptdarsteller: Richard Dreyfuss (Curt Henderson), Ron Howard (Steve Bolander), Cindy Williams (Laurie Henderson), Paul Le Mat (John Milner), Mackenzie Phillips (Carol), Charles Martin Smith (Terry „The Toad“ Fields), Candy Clark (Debbie Dunham), Wolfman Jack (XERB Disc Jockey), Harrison Ford (Bob Falfa), Deby Celiz (Wendy), Bo Hopkins (Joe Young), Manuel Padilla Jr. (Carlos), Beau Gentry (Ants)

 

Internet Movie Database: http://german.imdb.com/Title?0069704

 

 

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